17. Mai 2013

Mein Auslandssemester in Island

Bisher habe ich ja hauptsächlich über Reykjavík und Island im Allgemeinen geschrieben, allerdings bin ich weniger auf meine eigenen Erfahrungen während meines Auslandssemesters dort eingegangen. Ich habe mir aber überlegt, euch auch an meinen persönlichen Erfahrungen teilhaben zu lassen, denn vielleicht plant ja der ein oder andere von euch auch mal für einige Zeit nach Island zu gehen. Zuerst habe ich deshalb einen allgemeinen Text zu meinem Auslandssemester in Island vorbereitet, der erstmal einen groben Überblick über meine Erfahrungen geben soll.
Ich habe mir ansonsten überlegt auch noch eine ausführlichere Postreihe zu schreiben, in der ich jeweils intensiver auf mein Auslandssemester eingehen möchte (von der Vorbereitung und Organisation über meine Zeit dort bis zu meinem schlussendlichen Fazit). Das Ganze soll so eine Art Auslandstagebuch werden, das meine monatlichen Erlebnisse zusammenfasst. Und was meint ihr, würde euch das interessieren? :)


Eigentlich wollte ich nach Schottland. Wer hätte da ahnen können, dass ich mich letztendlich in Island wiederfinden würde? Die Entscheidung mein Auslandssemester in Reykjavík zu verbringen fiel relativ spontan, denn irgendwie reizte mich die Vorstellung eine Zeit lang in Island zu leben. Island ist eben mal etwas ganz anderes und vielleicht nicht das Ziel, was sich die meisten für ihren Auslandsaufenthalt aussuchen. Eventuell habe ich auch einfach eine Schwäche für „solche“ Länder, denn während meiner Schulzeit habe ich ja bereits ein halbes Jahr in Neuseeland gelebt. 

„Was? Island?! Ist es da nicht sehr kalt und dunkel? Gibt es da nicht diesen Vulkan? Ich habe gehört die Isländer glauben an Feen und essen verrotteten Hai!“ Ja, solche Vorurteile bekam ich viele zu hören bevor es losging. Und das Schlimmste: Ich hatte selbst so meine Bedenken auf was ich mich da eingelassen hatte. Ist es nicht total verrückt während des Wintersemesters (- dunkel, kalt, langweilig, einsam...?!) nach Island zu gehen und vor allem wenn man kein Wort Isländisch spricht? Doch! Um ganz ehrlich zu sein habe ich vorher wirklich etwas Angst bekommen, dass ich in Island total verloren sein würde. Wenn ich jetzt an meine Zeit dort zurück denke, weiß ich gar nicht womit ich anfangen soll, weil ich einfach so viel erlebt habe.


Islands Hauptstadt Reykjavík ist zwar nicht besonders groß, aber voller Lebendigkeit und Lebensfreude. Live-Musik auf den Straßen, Geschäfte voll ausgefallenem Krimskrams, Street Art an den Wänden, bunte Häuser und scheinbar ständig ein anderes Festival. Bereits am ersten Abend empfing uns Reykjavík mit offenen Armen, denn beim „Bacon Festival“ lernten wir erst einmal, wie man den perfekten Bacon zubereitet und uns wurde klar, wie verrückt die Isländer eigentlich sind. Aber auch die anderen Austauschstudenten waren super nett und ich fand schnell neue Freunde, die aus allen Teilen der Welt kamen. Zusammen verbrachten wir viele Stunden in Reykjavíks gemütlichen Cafés, auf Hauspartys, an der Uni oder beim Reisen durch die unbeschreiblich schöne Landschaft Islands, die direkt außerhalb Reykjavíks beginnt. 

Um auch Freundschaften zu Isländern zu schließen, begann ich außerdem Isländisch zu lernen und trat der Theatergruppe bei. Tatsächlich war ich die einzige Ausländerin in der Theatergruppe, was toll war um Einheimische kennenzulernen, aber manchmal auch ganz schön anstrengend, da meine Isländischkenntnisse doch eher bescheiden waren. Mit der Zeit lernte ich die Schwimmbadkultur kennen und entdeckte lokale Spezialitäten wie Harðfiskur (getrockneter Fisch), Brennivín (Schnaps) oder Hákarl (fermentierter Hai - den ich NICHT probiert habe!) kennen. Beim Reykjavík International Film Festival bekam ich zahlreiche gute Filme zu sehen und beim Iceland Airwaves Music Festival entdeckte ich wunderbare neue Bands und Künstler, die ich sonst vermutlich nie kennengelernt hätte.


Es war ein überwältigendes Gefühl, als ich zum ersten Mal Nordlichter sah. Dieses grüne tanzende Flackern am Nachthimmel war einfach wunderschön! Und überhaupt kann man von Islands magischer Landschaft einfach nicht genug kriegen. Island ist eben ein Land der Gegensätze: Vulkane, Gletscher, Wasserfälle, heiße Quellen, Berge und grünes Weideland. Im Dezember war es am Tag zwar nur vier Stunden hell, aber wider Erwarten machte mir das überhaupt nichts aus. Stattdessen genoss ich es über den zugefrorenen See in Reykjavíks Zentrum zu laufen. Das Wetter kann zugegebenermaßen manchmal ziemlich schlecht werden: Kalt, regnerisch und vor allem sehr sehr windig. Aber das Gute ist, dass das Wetter sich meist ziemlich schnell ändert, sodass am nächsten Tag schon wieder die Sonne scheinen kann. Und ob Isländisch tatsächlich so schwierig zu lernen ist wie alle sagen? Oh ja, für meinen Geschmack gibt es einfach viiiiel zu viele Ausnahmen und Sonderregelungen und die Aussprache gleicht oft komplizierter Zungengymnastik. 

Ich kann nur sagen, dass ich meine Zeit in Island nie vergessen werde und sie gehört definitiv zu den besten Erfahrungen meines Lebens. Ich liebe es immer wieder in ein unbekanntes Land zu reisen, um dort eine neue Kultur zu entdecken. Ich kann es euch nur empfehlen die Chance zu ergreifen wenn ihr die Möglichkeit habt für eine Zeit ins Ausland zu gehen. Sicher läuft nicht immer alles glatt, aber letztendlich werdet ihr es nicht bereuen :)
 

Kommentare:

  1. Island hat mich schon immer sehr beeindruckt (vor allem landschaftlich) und nachdem ich deinen Blog entdeckt habe, finde ich Island immer toller und toller ;),ich freue mich schon doll auf die folgenden Artikel, denn Interesse besteht in jedem Fall ;)
    Liebe Grüße
    Ronja

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  2. ich liebe deine reiseberichte und fotos. du hast wirklich einen tollen blog und ich lese alles immer sehr gerne.
    Lina♥

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  3. Toller Post!Die Bilder sind einfach grandios!;)
    Ich könnte es mir sehr gut vorstellen dort zumindest für einen Urlaub mal ein, zwei Wochen zu verbringen!Die Landschaft muss wirklich wunderschön sein und ich kann gut verstehen das du dich dort so wohl gefühlt hast!
    Liebe Grüße,Sarah

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  4. Toller Post, ich würde mich über mehr Beiträge darüber freuen. Und mal wieder tolle Bilder! :)

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  5. Hey :)

    Mit deinem Post sprichst du mir aus der Seele! Ich könnte ihn bis auf einen einzigen Punkt (die Dunkelheit im Dezember) genauso bei mir veröffentlichen! Ich weiß ganz genau wie du dich gefühlt hast... Ist toll bei jemand anderem zu lesen, was man selbst über die Zeit in Island denkt!

    Und noch was...das dritte Bild habe ich beinahe genauso fotografiert :D
    Auf der Halbinsel Snæfellsnes...Problem bei mir war, dass die Wolken grau und dicht waren und wenn ich etwas größer gewesen wäre, hätte ich die Wolkendecke berühren können...

    Verträumte isländische Grüße!

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    1. Ja ich habe die Dunkelheit als ziemlich schlimm empfunden...
      Ich konnte mich früh gar nicht überwinden aufzustehen, weil es noch so dunkel war!
      Dafür waren die wenigen Sonnenstunden an diesen Tagen umso schöner. Ich liebe das Licht wenn die Sonne so tief steht...

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  6. Das vierte Bild meinte ich natürlich...ich schiebe es einfach auf die späte Stunde ;)

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  7. Ja, ich bin sehr dafür dass du diese Reihe beginnst bzw. fortführst. Bin was aussergewöhnliche und allgemein andere Länder angeht, sehr interessiert und offen. ich kann es kaum erwarten selbst ins Ausland zu reisen, nah dem Abi gehts im September für ein paar Monate nach Guatemala! Island scheint wirklich einen besuch wert zu sein, vielleicht werde ich irgendwann auch mal dorthin reisen. Bis dahin lese ich einfach weiterhin deinen Blog. :)
    Liebe Grüsse, Marike

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  8. Sehr schöner Eintrag, interessiert mich total. (: Ich plane diesen Sommer, ein paar Tage Urlaub in Reykjavik zu machen und bin total gespannt, was mich erwartet. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern wirkt Island so mysteriös und speziell... aber bis jetzt habe ich ausnahmslos Positives darüber gehört. (: Lg

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  9. Ich finde deine Idee super, da ich ehrlich gesagt mit Island bisher gar nichts anfangen kann und gespannt bin, was ich nach deiner Reihe über das Land sagen werde, wer weiß vielleicht möchte ich ja dann auch unbedingt einmal hin.

    Ich finde es aufjedenfall sehr mutig von dir, dass du dir für deinen Austausch so ein ungewöhnliches Land ausgesucht hat und meist macht man durch solche Entscheidungen ja auch die interessantesten Erfahrungen. Finde es aufjedenfall schon einmal toll, das sie dort so viele Festivals haben, das war bestimmt mit eines der lustigsten Sachen dort.

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  10. Das ist ein toller Bericht und die Landschaft ist herrlich. ♥

    hier geht’s zu meinem Blog ♥

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  11. Wow, das vorletzte Bild ist der Hammer!! *-* einfach perfekt irgendwie :))
    und toller bericht, irgendwie weiß ich nämlich so gar nichts über island.. :// umso besser darum, bei dir mal was darüber zu lesen. <33

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  12. Die Fotos sind wundervoll! Und ich finde den Gedanken, auf Island zu leben, ganz faszinierend. Das trauen sich wohl nicht viele. Ich lese auf jeden Fall gerne darüber!

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  13. was hast du denn dieses halbe jahr eigentlich gemacht in island - also abgesehen von theaterspielen und die kultur kennenlernen ;) ? also ich meine, hast du studiert, oder au pair gemacht, oder wie bist du denn da hingekommen? ja, island - einer meiner träume, seit ich eine freundin kennengelernt habe, die selbst 4 monate dort war... deine bilder sind auch wirklich großartig!

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  14. Wie genial :)
    Ich finde es absolut interessant wie du von Island berichtest und sehr gerne alles mögliche darüber hören! Sehr bewundernswert, die Reise. Ich würde mich das selbst wahrscheinlich einfach nicht trauen. Aber wenigstens eine normale Reise möchte ich irgendwann mal nach Island machen.

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    1. Vielen Dank! Aber trau dich ruhig, Island ist gar nicht so "seltsam" wie man es vielleicht vorher erwartet. Ich habe mich da niemals gefühlt, als ob ich hinterm Mond wohnen würde oder so ;)

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  15. Die Bilder sind wahnsinnig schön!!! Ich bekomme gerade Fernweh obwohl ich gerade mein Auslandssemester in Kanada mache... Das ist schon verrückt!

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