16. Oktober 2013

Edinburgh: Schottland Roadtrip - Teil 6 (Tag 1, 13 & 14)

Mittlerweile sind wir fast am Ende meiner Schottlandreihe angekommen. Seid ihr enttäuscht oder hängt euch Schottland mittlerweile schon zum Hals heraus? Fest steht, dass wir hiermit das Ende unseres Roadtrips erreicht haben. Heute berichte ich euch endlich von unseren Erlebnissen in Schottlands wunderschöner Hauptstadt Edinburgh. Bald folgt dann noch ein ausführlicher City Guide mit den gewohnten Tipps und Ratschlägen sowie ein allgemeines Reisefazit mit allen Reiseetappen im Überblick.


ANKUNFT
Als das Flugzeug sich langsam dem Boden nähert, schaue ich begeistert aus dem Fenster, denn das saftige Grün der Hügel schlägt mich schon jetzt in seinen Bann. Mit dem Bus fahren wir in die Innenstadt und müssen uns von da aus erstmal mit unseren Koffern durch den Trubel kämpfen. Es wird schnell klar, dass die Gehwege nicht gerade breit sind wenn von beiden Seiten Menschen kommen, man mit einem Koffer unterwegs ist und sich dann noch eine Bushaltestelle vor einem auftut, welche die Hälfte des Weges blockiert. Das Hostel stellt sich ebenfalls als äußerst unpraktisch heraus, denn die Rezeption liegt im 2. Stock und es gibt nur eine Wendeltreppe, die hinaufführt. Wir stellen zunächst unser Gepäck im Lagerraum ab. Als ich meinen Koffer öffne, um einiges umzupacken, schlägt mir der unverkennbare Geruch von Nagellack entgegen. Habt ihr euch jemals gefragt, ob eine geschlossene Flasche Nagellack im Koffer auslaufen kann? Ja, das kann sie. Dennoch trübt das meine Laune nicht allzu sehr, denn ich möchte endlich Edinburgh erkunden! Bereits der erste Blick auf die Stadt lässt viel erhoffen: Wunderschöne alte Häuser, historische Gebäude und natürlich das Edinburgh Castle.
 
ARTHUR'S SEAT
Wir beschließen auf den 251m hohen Arthur's Seat hinaufzuwandern, um einen Ausblick über die Stadt zu haben. Abgesehen von den Mücken läuft das auch zunächst ganz gut, doch wie aus dem Nichts zieht plötzlich eine riesige, dunkle Regenfront auf, die sich so schnell auf uns zubewegt, dass wir gar nicht schnell genug umkehren können. Wir machen erste Bekanntschafft mit dem wechselhaften schottischen Wetter, ich habe selten so starken Regen erlebt. Als wir zurück im Hostel ankommen, bin ich völlig durchweicht, habe meine Schuhe versaut und der iPod und das Handy meines Freundes haben ebenfalls zu viel Wasser abbekommen und funktionieren nicht mehr richtig. Super Start in den Urlaub! So schnell wie der Regen gekommen ist, klart der Himmel auch wieder auf, sodass wir einen zweiten Versuch wagen. Diesmal schaffen wir es bis ganz nach oben auf den Arthur's Seat. Leider hat sich der Himmel wieder völlig zugezogen und ich bin zugegebenermaßen auch nicht sonderlich beeindruckt von dem Ausblick. Zwar kann man die ganze Stadt überblicken, allerdings sind wichtige Sehenswürdigkeiten wie das Edinburgh Castle jetzt so weit weg, dass das Stadtbild gar nicht mehr besonders wirkt. Meiner Meinung nur bei perfektem Wetter eine lohnende Aktivität.
Unsere heutige Unterkunft, das Edinburgh Metro Hostel, kann ich leider überhaupt nicht weiterempfehlen: Es stellt sich heraus, dass unser Zimmer im 5. Stock liegt und wir samt Gepäck alle Treppen hochlaufen müssen. Das Zimmer ist geräumig, zeigt zum Innenhof und ist auch sonst völlig in Ordnung. Nachts ist es leider trotzdem total laut, weil draußen die Betrunken vor den Pubs herumhängen - ohne Oropax sehr unangenehm. Insgesamt wirkt das ganze Hostel auch etwas ranzig und durch die Matratze spürt man jede einzelne Feder so sehr, dass wir am nächsten Morgen beide Rückenschmerzen haben. Nicht empfehlenswert, es gibt auf jeden Fall bessere Hostels in Edinburgh!


PRINCES STREET & CALTON HILL
Am 13. Tag unseres Roadtrips kehren wir nach Edinburgh zurück und haben diesmal endlich mehr Zeit, um die Stadt zu entdecken. Weil das Wetter am Morgen zunächst schlecht ist, stöbern wir ein wenig in den Geschäften auf der Princes Street, einer Shoppingmeile, die spektakuläre Ausblicke auf das Edinburgh Castle erlaubt. Wir haben Glück und der Himmel klart schließlich etwas auf. Das gute Wetter will natürlich ausgenutzt werden also machen wir uns auf den Weg zum etwa 100m hohen Calton Hill, einem Hügel, der sich am Ende der Princes Street erhebt. Von der Hügelkuppe aus hat man eine wirklich schöne Aussicht über Edinburgh inklusive Edinburgh Castle und Arthur's Seat. Gegen Abend essen wir im Bella Italia, wie der Name bereits verrät gibt es dort italienische Gerichte wie Pasta und Pizza. Nicht total billig, aber dafür sehr lecker und die Einrichtung mit den alten Goldspiegeln und Bilderrahmen sorgt für eine gemütliche Atmosphäre.

REAL MARY KING'S CLOSE
Nach dem Essen nehmen wir an einer geführten Tour durch den Real Mary King's Close teil. Die Führung durch die unterirdischen, mittelalterlichen Gassen des alten Edinburghs ist wirklich interessant und vermittelt einem gute Einblicke in das Leben des 16. und 17. Jahrhunderts. Sehr spannend sind sicherlich auch die Geistertouren von Mercat Tours durch den Untergrund. 
Unsere Unterkunft, das Castle Rock Hostel (15 Johnston Terrace), befindet sich direkt neben dem Edinburgh Castle und hat damit eine unschlagbare Lage. Die Einrichtung des alten Hauses ist recht gemütlich und das Personal sehr freundlich und hilfsbereit. Unser Doppelzimmer ist zwar das winzigste Zimmer, was ich jemals gesehen habe (wenige Quadratmeter plus komplette Dachschräge), aber dafür können wir abends mit offenem Fenster der Eröffnungszeremonie des Edinburgh Festivals lauschen.
 


EDINBURGH CASTLE & ROYAL MILE
Für unseren letzten Tag in Edinburgh und damit auch Schottland haben wir uns nochmal einiges vorgenommen. Zuerst laufen wir die Royal Mile mit ihren alten Häusern, Pubs, Souvenirläden und Kopfsteinpflaster entlang. Das Edinburgh Castle schauen wir uns jedoch nur von außen an, weil der Eintritt teuer ist und wir nicht so sehr am Inneren interessiert sind. Leider ist die Altstadt bereits am Morgen sehr voll, da gerade das Edinburgh Festival Fringe angefangen hat. Es sind nicht nur sehr viele Touristen unterwegs sind, sondern es stehen auch überall  Theatergruppen und Menschen mit Flyern auf der Royal Mile.


GREYFRIARS KIRKYARD
Wir laufen weiter zur Kirche Greyfriars Kirk, die vom berühmten Greyfriars Kirkyard umgeben wird. Der alte Friedhof ist umgrenzt von hohen Mauern und präsentiert neben den verzierten Grabsteinen auch viel Grün. Der Grund wieso jedoch die meisten Touristen hierher kommen ist nicht nur der Friedhof, sondern die Statue von Greyfriars Bobby. Vor einem an den Friedhof angrenzenden Pub steht die Statue des Skyeterriers, der angeblich jahrelang am Grab seines toten Herrchens ausgeharrt haben soll.


NATIONAL MUSEUM OF SCOTLAND
Wir besuchen als nächstes das National Museum of Scotland, welches Schottlands Geschichte auf fünf Etagen dokumentiert. Der Eintritt ist frei und man sollte es nicht verpassen mit dem Aufzug hinauf zur Dachterrasse zu fahren. Von dort hat man einen wunderschönen Blick auf das Edinburgh Castle. Mittags essen wir im The Last Drop (74-78 Grassmarket), einem typischen Pub, das aber erstaunlich leckeres Essen wie Pasta oder auch Enchiladas serviert.


CAMERA OBSCURA
Als nächstes statten wir der Camera Obscura einen Besuch ab. Das Museum bietet auf mehreren Etagen eine Vielzahl an optischen Täuschungen, die man interaktiv entdecken kann. Nebenbei ist der Ausblick von der Dachterasse auch dort wirklich gut. Was ihr jedoch meiden solltet: Die Vorführung der Camera Obscura. Diese wird uns an der Kasse angepriesen, jedoch ist sie nicht wie erwartet eine interessante Erklärung der Funktionsweise der Kamera, sondern eine äußerst alberne Kindershow. Falls ihr Kinder habt: Sicher eine tolle Sache, aber ich kann absolut nicht nachvollziehen, wieso man die Show als erwachsener Mensch empfohlen bekommt. Oder habt ihr vielleicht Lust auf einer Leinwand Menschen mit einer Papierkarte platt zu hauen?!



PRINCES STREET GARDENS
Mittlerweile scheint zumindest die Sonne, sodass wir die Gelegenheit nutzen und uns den Park unterhalb des Edinburgh Castles ansehen. Die Princes Street Gardens sind wirklich schön, sodass wir uns hinsetzen und ein wenig die Sonne genießen. Zu Abend essen wir diesmal im Red Squirrel (21 Lothian Road), einem wirklich gemütlichem Restaurant/Pub, das bereits früh am Abend sehr gut besucht ist. Es gibt leckere Burger und Getränke und vor allem haben wir zum ersten Mal den Eindruck nicht nur von Touristen umgeben zu sein, sondern nur von Einheimischen. Ein echter Geheimtipp. Wir genießen unseren letzten Abend noch ganz in Ruhe bevor es am nächsten Morgen zurück nach Deutschland geht.

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9. Oktober 2013

Capture the Colour: Die Welt in Farben

Dieser Post ist sehr spontan entstanden, denn so beschäftigt, wie ich Moment bin, habe ich nicht einmal mitkommen, dass ich schon von mehreren Bloggern (Manuela und Eva & Nadja) für den Capture the Colour Fotowettbewerb getaggt worden bin. Aufgabe ist es jeweils ein Reisefoto zu finden, dass die Farben Rot, Blau, Grün, Gelb oder Weiß verkörpert. Veranstaltet wird das Ganze vom Travelsupermarket , aber ehrlich gesagt verstehe ich auch nicht so ganz, ob der Wettbewerb jetzt schon offiziell beendet ist oder ob er erst heute endet. Wie auch immer, da ich eh kein professioneller Fotograf bin und auch sowieso nie irgendwo gewinne, mache ich einfach mal mit, weil ich die Idee schön finde. Heute gibt es also fünf Fotos aus der ganzen Welt, die am besten die jeweilige Farbe verkörpern.
RED
Heimæy (Vestmannæyjar), Iceland

BLUE
Lake Matheson, New Zealand
(Can you guess what's wrong? Indeed this photo is upside down but as the lake looks like a mirror you can barely notice it.)

GREEN
Old Man of Storr, Scotland

YELLOW
 Berunes, Iceland

WHITE
Svínafellsjökull, Iceland

Es ist vermutlich schon zu spät, aber vielleicht haben die folgenden Blogger ja trotzdem Lust noch entsprechende Fotos zu posten:
1) Stefanie von Pekingenten
2) Charlotte von Thistle & Weeds
3) Ariane von heldenwetter
4) Lilian von Realize
5) Anja von Annie Waits

Und welche Farbe gefällt euch am besten?
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8. Oktober 2013

Achtung Mückenalarm! (Schottland Roadtrip)

Außentemperatur: etwa 17°C, der Himmel ist wolkenverhangen, es ist windstill und schwül, der letzte Regenschauer liegt erst kurze Zeit zurück. Gemütlich fahren wir über die kurvigen Straßen und lassen den kühlen Fahrtwind durch einen Spalt im Autofenster hereinwehen. Es ist der 5. Tag unseres Roadtrips und nach viel Zeit im Auto, wird es langsam Zeit für eine kleine Pause. Bei der nächsten Parkbucht am Straßenrand halten wir an, um uns die Beine etwas zu vertreten und ein paar Fotos von dem See zu machen, der sich durch das Tal erstreckt.

Sanft geschwungene, samtig grüne Hügel und einige kleine Tannen säumen den See. Es ist vollkommen still, weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen und das Heidekraut... - "AUA! Eine Mücke!" - Ich reiße meinen Blick von der Landschaft los und tatsächlich: Nicht nur eine Mücke, sondern ziemlich viele der kleinen Viechern schwirren in unserer unmittelbaren Nähe umher. In Gedanken fluche ich bereits, denn natürlich habe ich mich ausgerechnet heute vorher nicht mit Mückenspray eingesprüht. Wer hätte schon ahnen können, dass die Mücken ausgerechnet jetzt auftauchen wenn wir nur mal kurz fünf Minuten irgendwo anhalten?


Die Mücken scheinen die Gunst der Stunde jedenfalls zu spüren, denn während ich zunächst noch versuche die winzigen umherschwirrenden Insekten zu ignorieren und in Ruhe Fotos zu machen (Wen stören schon ein paar Mücken?!), werden es irgendwie immer mehr und mehr. 
"Okay, also ich bin raus hier!", mit diesen Worten verabschiedet sich mein Freund und rennt fluchtartig zurück zum Auto. Als der erste Blutsauger auf meinem Arm landet, habe auch ich genug. Es ist einfach nur lächerlich, wie viele Mücken zu diesem Zeitpunkt bereits uns und unser Auto umschwirren! Deutschland ist nichts dagegen - stellt euch mal im Sommer nachts mit einer Lampe irgendwohin und wartet ab wie viele Mücken zu euch kommen. Bei uns sind es gerade bestimmt 100 Mal so viele.


Ich ergreife die Flucht, springe so schnell wie noch nie zuvor zurück ins Auto und knalle die Tür hinter mir zu. Doch die Sicherheit ist trügerisch, denn die Mücken scheinen an unseren Armen festzukleben, sodass ein ganzer Schwarm nun gemütlich mit uns im Auto sitzt. "Nein, das Fenster!", hektisch drücken wir an den Knöpfen herum, um die geöffneten Fenster zu schließen. In der Zwischenzeit gesellen sich munter weitere Mücken zu uns. Es ist wirklich wie im Film: Gefangen mit einem riesigen Mückenschwarm im Auto. Ich bin gerade ziemlich froh, dass weit und breit niemand anderes zu sehen ist, denn wir müssen einen ziemlich lächerlichen Anblick bieten. Während mein Freund die schwarzen Punkte auf seinem Arm plattschlägt, fuchtele ich wild um mich und versuche dabei so viele Mücken wie möglich mit der Landkarte zu zerquetschen. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass draußen immernoch ein riesiger Mückenschwarm unser Auto umkreist! Als wir die Mückenplage auf ein Minimum reduziert haben fahren wir los und öffnen alle Fenster um die Reste wegzublasen. Ein paar vereinzelte Mücken begleiten uns aber noch die ganze Fahrt über. Von diesem Tag an steige ich nicht mehr aus dem Auto ohne mich vorher mit Mückenspray einzusprühen.


Wie ich bereits am Anfang meiner Schottlandberichterstattung erzählt habe, sind die winzigen Mücken, genannt "Midges", von Ende Mai bis Anfang September eine echte Plage und können innerhalb kürzester Zeit in riesigen Schwärmen auftreten. Besonders häufig tauchen sie bei bedecktem Himmel und Windstille auf. Na klingelt's bei euch? Ja, eigentlich schrie bei uns alles förmlich nach "Midges", aber manchmal denkt man einfach nicht darüber nach. Das einzige, was wirklich zuverlässig gegen die Plagegeister  wirkt, ist ein gutes Insektenspray oder der Geheimtipp der Schotten: Avon Skin So Soft. Nachdem mir das Insektenspray jedoch die Farbe aus meiner Strumpfhose gezogen hat und mir einen faustgroßen Fleck beschert hat, bin ich auf Skin So Soft umgestiegen und kann bestätigen, dass es zuverlässig wirkt ohne der Haut so sehr zu schaden. Schaut am besten vorher immer wie die Mückenvorhersage aussieht.

Ich kann nur sagen: Ziemlich dummer Fehler von uns den ihr defintiv nicht machen solltet! Aber solche Geschichten sind es eben auch, die man im Nachhinein in Erinnerung behält und dann darüber lachen kann. Die toten Mücken kleben vermutlich heute noch an der Autodecke. Ich habe in Schottland auf jeden Fall viele neue Freunde gefunden, die mein Blut trinken wollen. Dagegen ist dieser Edward Cullen gar nichts.
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4. Oktober 2013

Der Hogwarts Express: Mit Harry Potter nach Hogwarts (Schottland Roadtrip)

Es ist fast unnatürlich still - bis auf meine Schnappatmung. Hektisch versuche ich mir die Gräser von der Strumpfhose zu klopfen, meine Kamera richtig einzustellen und wieder Luft zu bekommen ohne dabei die Brücke aus den Augen zu lassen. Niemals hätte ich gedacht, dass ich für meinen Blog so weit gehen würde (Okay, vielleicht auch für mich selbst) und mich eines Tages in so einer Situation wiederfinden würde. Dabei fing alles ganz harmlos an, denn unser heutiges Reiseziel war eigentlich ein ganz unscheinbares zwischen all den anderen.


Es ist Sonntag und der 9. Morgen unseres Roadtrips durch Schottland. Bereits am Abend zuvor habe ich mit unserem Gastgeber Craig über unser heutiges Ausflugsziel gesprochen. Heute geht es endlich nach Glenfinnan, wo sich die berühmte Brücke befindet, die in den Harry Potter Filmen vom Hogwarts Express überquert wird. Mehr durch Zufall habe ich von Craig erfahren, dass die Zugstrecke tatsächlich von einem Zug befahren wird, sodass wir nicht nur die Brücke sehen können, sondern auch wie ein Zug darüber fährt. Zwar bin ich kein riesiger Harry Potter Fan, allerdings fand ich die Bücher und Filme trotzdem toll und möchte mir diese Sehenswürdigkeit natürlich nicht entgehen lassen wenn wir nun schon einmal ganz in der Nähe sind. Meinen Freund hingegen hat kein einziges Buch gelesen, aber natürlich kommt er trotzdem mit (immerhin muss er ja fahren...). Auf dem Zugplan schauen wir wann der Zug in Glenfinnan vorbeifährt und machen uns auf den Weg nach Fort William. Als wir dort ankommen ist es bereits Mittagszeit und uns bleibt nicht mehr allzu viel Zeit. Wir essen so schnell es geht eine Kleinigkeit und fahren dann los Richtung Glenfinnan.

14:20 Uhr:  Der Zug fährt angeblich um etwa 15 Uhr in Glenfinnan vorbei. Etwas gehetzt versuchen wir aus Fort William herauszufinden, was sich als gar nicht so einfach herausstellt. Bevor wir endlich auf der richtigen Straße sind, verfahren wir uns mehrmals, sodass die Zeit bereits ziemlich drängt.

14:35 Uhr: Während wir zusammen mit einem anderen ziemlich ungeduldig wirkendem Auto hinter einem extrem lahmen Auto herfahren, jammere ich meinem Freund bereits die Ohren voll, dass der Zug bestimmt schon weg ist bis wir endlich ankommen. Ich rede die ganze Zeit davon, dass wir morgen nochmal wiederkommen müssen. Mein Freund findet die Idee nicht so toll. Das langsame Auto fährt unbeirrt weiter 70 statt der erlaubten 100km/h.

14:40 Uhr: Das Auto vor uns hat genug. Offensichtlich möchte es auch unbedingt den Hogwarts Express sehen, denn in einem gewagten Überholmaneuver rast es schließlich mit 130 Sachen an dem langsamen Auto vorbei und verschwindet. So viel dazu. Als die Kurven endlich nachlassen, können auch wir das Auto überholen und düsen weiter Richtung Glenfinnan.


14:50 Uhr: Vorher hatte ich noch gescherzt: "Wenn wir da ankommen, ist bestimmt kein Parkplatz mehr frei, weil alle dahin wollen und wir können dann gerade noch sehen wie der Zug in der Ferne verschwindet". Als wir in Glenfinnan ankommen und auf den Parkplatz einbiegen, stellen wir schnell fest, dass meine Vermutung der Wahrheit entspricht. Der kleine Parkplatz ist bereits bis auf den letzten Platz besetzt und das obwohl das Parken kostenpflichtig ist. Dennoch fahren noch mindestens fünf andere Autos umher und suchen nach einer Haltemöglichkeit. Total entnervt fragen wir den skurillen, alten Parkplatzwächter wann denn der nächste Zug vorbeikommt. "At about 3pm.", lautet seine Antwort. Also im Grunde jetzt. Glücklicherweise kann er uns den Tipp geben, dass man zwar von hier aus innerhalb weniger Minuten zu der beliebten Aussichtsplattform hinauflaufen kann, aber es ein kleines Stücke weiter die Straße runter noch einen anderen kleinen Parkplatz gibt. Von dort aus kann man auf einen anderen Hügel hinaufklettern, der links von der Brücke liegt, allerdings ist der Weg länger und steiler. Super. Aber was bleibt uns anderes übrig?

14:55 Uhr: Vor meinem inneren Auge sehe ich bereits den Zug an mir vorbeirauschen während ich noch irgendwo am Boden herumlaufe. In gefühlter Schallgeschwindigkeit springen mein Freund und ich aus dem Auto und rennen (Ja, rennen!) los Richtung Brücke. Jetzt wird es richtig peinlich: Wir rennen nicht nur wie die Bekloppten auf die Brücke zu - nein, um Zeit zu sparen, laufen wir schließlich querfeldein durch Gestrüpp, Matsch und riesige Pfützen bis wir den Weg hinauf zum Hügel erreichen.

15:00 Uhr: Wir sprinten den Trampelpfad hinauf und ich bin wirklich froh mir auf dem unebenen Weg nicht den Fuß zu verstauchen. Abgesehen davon bekomme ich seit mindestens 4 Minuten keine Luft mehr, weil meine Ausdauer versagt hat. Als wir schließlich ein gerades Stück Weg erreichen, kommt uns eine Familie entgegen. Vermutlich wirken wir auf sie wie zwei durchgeschwitzte Hardcore-Harry-Potter-Fans, die gerade aus der geschlossenen Anstalt entflohen sind und nun wie zwei Besessene auf sie zustürmen, um den Hogwarts Express doch noch vorbeifahren zu sehen. "Is this path leading up the hill any further?!", keucht mein Freund und lenkt dabei von meinem knallroten Gesicht und der Tatsache ab, dass ich gleich einen Kreislaufkollaps bekomme. Sie verneinen, der Weg scheint um den Hügel herumzuführen, deshalb wären sie zurück gekommen. Tatsächlich haben sie den Nerv meinen Freund darum zu bitten ein Familienporträt von ihnen aufzunehmen. Mir reißt der Geduldsfaden - und vor allem möchte ich noch ein paar Meter höher stehen. Ich renne also mal wieder querfeldein, frontal am Berg hinauf. Ihr merkt, ich habe bereits meinen guten Menschenverstand verloren.


15:10: Als mein Freund oben bei mir ankommt, fange ich gerade an wieder Luft zu bekommen. Vom Zug ist noch immer nichts zu sehen. Irgendwie ist es schon lustig, dass wir uns nur deswegen so abgehetzt haben und der Zug nun Verspätung hat. Das Gute ist jedoch, dass die eigentliche Aussichtsplattform nicht nur total überfüllt ist, sondern man auch viel weiter entfernt steht. Wir hingegen schauen genau aus der richtigen Perspektive auf die Brücke und haben eine viel bessere Aussicht. Glück im Unglück! Was tut man nicht alles für das perfekte Foto...

15:15 Uhr: Tatsächlich warten wir noch weitere 5 Minuten bis wir endlich hören, wie sich die Dampflok nähert. Aus einem mir bis heute unerklärlichen Grund kommt sie jedoch aus der falschen Richtung angefahren und geht auch äußert sparsam mit ihrem Qualm um. Es ist trotzdem ein tolles Gefühl wenn man sieht, wie ein Kindheitstraum wahr wird! Schade nur, dass der Zug nicht wirklich nach Hogwarts fährt...
 

Bei der Brücke handelt es sich übrigens eigentlich um das Glenfinnan Viaduct, welches vom Jacobite Steam Train überquert wird. Für die Dreharbeiten der Harry Potter Filme stellten die Besitzer des Zugs dem Filmteam die alte Dampflok zur Verfügung. Der Zug fährt von Mitte Mai bis Ende Oktober regelmäßig zwischen Fort William und Mallaig hin und her. Die Strecke, die der Zug dabei zurücklegt, gilt als eine der schönsten Zugstrecken der Welt. Leider hatten wir keine Zeit selbst mit dem Zug zu fahren, aber das ist mit Sicherheit (vor allem für Harry Potter-Fans) eine lohnenswerte Erfahrung. Beim nächsten Mal buche ich mir auf jeden Fall ein Zugticket.

Beim nächsten Mal gibt es eine weitere kleine Anekdote für euch. Ich sage nur ein Wort: Mücken!
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29. September 2013

Westschottland: Schottland Roadtrip - Teil 5 (Tag 9 - 12)

Es wird Zeit die atemberaubende Isle of Skye zu verlassen und sich neuen Abenteuern zu stellen. Der Roadtrip führt uns diesmal in Schottlands Westen südlich der Isle of Skye. Auf unserer letzten Etappe bevor wir nach Edinburgh zurückkehren, erwarten uns zauberhafte Täler, geheimnisvolle Burgruinen (die man mehr durch Zufall findet), ein desaströser Bergaufstieg sowie viel zu viele Mücken.
  

Highlights von Westschottland: Spektakuläre Täler, versteckte Burgen und Großbritanniens höchster Berg

GLENFINNAN & LOCH SHIEL
Schweren Herzens lassen wir am 9. Tag das gemütliche B&B und die Isle of Skye hinter uns. Wir fahren weiter Richtung Süden am Ufer des Loch Lochy entlang (meiner Meinung nach der witzigste Name, den ein Loch haben kann) nach Fort William. Nachdem wir schnell etwas zu Mittag gegessen haben, mach wir uns auf den Weg nach Glenfinnan. Die Ortschaft befindet sich am nördlichen Ende des Loch Shiel und beherbergt das Glenfinnan Monument, eine Säule auf der die Statue eines Highlanders im Schottenrock thront. Doch der eigentliche Grund warum nicht nur wir, sondern der Großteil der anderen Besucher hier her gekommen sind, stellt sich als ein anderer heraus. Das Glenfinnan Viaduct mit seinen 21 Bögen befindet sich in unmittelbarer Nähe und bietet nicht nur einen schönen Anblick, sondern ist vor allem durch die Harry Potter-Filme berühmt geworden. Aber dazu nächstes Mal mehr!



CASTLE TIORAM
Da es noch nicht allzu spät ist, fahren wir weiter zum Castle Tioram, einer Burgruine, die ziemlich abgelegen auf einer Landzunge liegt. Das Besondere an der Burgruine ist, dass man sie nur erreichen kann wenn gerade Ebbe ist. Sobald die Flut kommt, wird die kleine Sandbank überschwemmt, die als Übergang dient. Die Ruine ist ganz nett anzuschauen, allerdings nicht unbedingt ein notwendiges Reiseziel.


FORT WILLIAM
Gegen Abend fahren wir zurück nach Fort William, welches nicht nur die größte Stadt der westlichen Highlands ist, sondern auch ein sehr beliebtes Touristenziel. Leider bietet Fort William trotzdem nicht gerade viele Möglichkeiten, um an leckeres Essen zu kommen. Ganz gut ist das Essen allerdings im Pub und Restaurant The Grog & Gruel. Hier bekommt man unter anderem leckere Tex-Mex-Gerichte. Ebenfalls völlig in Ordnung ist das Essen in der Tavern, einem typischen schottischen Pub. Neben Pasta oder Burgern gibt es hier abends oft auch Live-Musik. Die nächsten Nächte verbringen wir im Travelodge, wo wir ein günstiges Zimmer ergattert haben.



BEN NEVIS
Bis zum jetzigen Zeitpunkt habe ich versucht diesen Tag zu verdrängen und so gut es geht, versucht meinen Freund umzustimmen. Die offensichtlich größenwahnsinnige Idee meines Freundes: Den Ben Nevis - Großbritanniens höchsten Berg - besteigen. Kleine Info am Rande: Der Ben Nevis ist 1344m hoch und angeblich für jeden einigermaßen leistungsfähigen Menschen erreichbar. Allerdings ist der Weg steinig, steil und an neun von zehn Tagen verbergen Wolken die Bergspitze. Tolle Aussichten! Ich sollte vielleicht noch hinzufügen, dass ich zwar sportlich, aber weder total durchtrainiert bin noch eine besonders gute Kondition habe. Meiner Meinung nach ist es eine ziemlich doofe Idee diesen dämlichen Berg zu besteigen, der vermutlich ohnehin wolkenverhangen sein wird, sodass man nichts sehen kann.
Leider finde ich mich am Morgen des 10. Tages trotzdem am Fuß des Ben Nevis wieder, um mit dem Aufstieg zu beginnen. Zu meiner Überraschung sind so viele Menschen unterwegs, dass ich schnell die Angst verliere. Die meisten sind sogar deutlich untrainierter, sodass wir beim Aufstieg schnell voran kommen. Das Wetter ist gut und die Aussicht wirklich schön. Wir sind noch nicht ganz oben, als ich so langsam nicht mehr kann. Und wie zu erwarten, ist der Gipfel mittlerweile in Wolken verhüllt. Da mein Freund unbedingt bis ganz nach oben möchte (um dort nichts sehen zu können), gehen wir weiter. Als wir nach etwa vier Stunden oben ankommen, habe ich das Gefühl auf einem Jahrmarkt zu sein, so viele Menschen machen hier Pause. Es ist ziemlich frisch, der Wind pfeift mir um die Ohren und ich bin so müde, dass ich am liebsten schlafen würde. Leider kann man die Aussicht nicht genießen, da man durch die Wolken nichts sehen kann.
Man sollte vermuten das Schlimmste sei zu diesem Zeitpunkt vorbei. Leider beginnt jetzt erst der Abstieg, der bekanntermaßen nicht unbedingt leichter ist. Erst recht nicht wenn man zu Tode erschöpft ist und die Muskeln so schlapp sind, dass man sich nicht mehr bewegen kann. Spätestens jetzt merkt mein Freund wohl auch, dass dieser Bergaufstieg vielleicht keine so gute Idee war. Auf dem rutschigen Gestein kommen wir nur langsam voran, aber vor allem macht mein Körper irgendwann nicht mehr mit, sodass wir für den Abstieg mehr als lächerliche fünf Stunden brauchen. Zum Glück kommen wir abends (nachdem uns quasi jeder überholt hat, der beim Aufstieg langsamer war als wir) wieder sicher unten an, völlig hinüber und mit Sonnenbrand. Ich sage euch, ich hatte noch die nächsten vier Tage Spaß an meinem Muskelkater. Mein Freund hat mir zum Glück versprochen keine Berge mehr mit mir zu besteigen, die so hoch sind.


KILCHURN CASTLE & LOCH AWE
Als ich am 11. Tag aufwache, würde ich am liebsten sofort wieder einschlafen. Ich habe nämlich so Muskelkater (ich fange erst gar nicht damit an, wie sehr meine Fußsohlen schmerzen), dass ich mich eigentlich nicht mehr bewegen kann. Wir beschließen heute eher einem entspannten Programm nachzugehen bei dem man sich möglichst wenig bewegen muss. Auf unserer Liste steht das Kilchurn Castle, eine alte Burgruine am Loch Awe. Auf dem Weg regnet es nicht nur, sondern es scheint im Gegenteil zu sonst auch kein einziges Straßenschild zu geben, was einem den Weg weißt. Nach intensivem Studium der Landkarte finden wir schließlich den versteckten Parkplatz. Wenn ihr aus Fort William kommt und der A85 folgt, müsst ihr direkt hinter der Brücke über den Orchy rechts abbiegen.
Zwar haben wir endlich den Parkplatz endlich gefunden, aber es regnet so sehr, dass ich wenig Lust verspüre auszusteigen. Wir warten also einige Zeit im Auto bis der Regen nachlässt. Und wir haben Glück: Tatsächlich klart der Himmel endlich auf und sogar die Sonne kommt ein wenig zum Vorschein. Das Kilchurn Castle liegt nicht weit entfernt und stellt sich als sehr interessant und schön heraus. Der Eintritt ist übrigens frei und man kann die Ruine auf eigene Faust erkunden. Vom Turm aus hat man zudem einen wunderschönen Ausblick auf das Loch Awe sowie die angrenzenden Berge.


GLENCOE LOCHAN
Auf dem Rückweg vom Castle Kilchurn kommen wir unter anderem am Castle Stalker vorbei, welches imposant auf einer kleinen Insel im Wasser thront. Beim Glen Lochan angekommen, beschließen wir einen kleinen Spaziergang zu machen, damit der Muskelkater schneller verschwindet. Ausgeschrieben ist der Weg mit 60 Minuten und gewährt einem angeblich spektakuläre Ausblicke auf den See. Motiviert folgen wir dem Weg und kommen nach kurzer Zeit auf einer Hügelkuppe an von der aus man durch einiges Gestrüpp auf noch mehr Grünzeug blickt. Ich wundere mich etwas, dass der Weg danach wieder bergab geht. Tatsächlich kann ich es erst nicht glauben, aber einige Minuten später stehen wir wieder unten am See, der keineswegs spektakulär ist. Frustriert laufen wir zurück zum Auto. Der Spaziergang hat übrigens nur 20 Minuten gedauert und ich frage mich von wem diese Route getestet worden ist. Von Omas in FlipFlops?! Verschwendet bloß nicht eure Zeit hier...


GLEN COE
Der 12. Tag ist zugleich der letzte Tag an dem wir Schottlands Landschaft erkunden bevor wir uns auf den Rückweg nach Edinburgh machen. Wir verlassen Fort William und fahren weiter Richtung Süden. Dabei kommen wir durch das magische Tal Glen Coe, was mit seinen grünen Wiesen und massiven Bergen wirklich imposant wirkt. Leider haben wir nicht genug Zeit, um hier wandern zu gehen, allerdings klingt die Wanderung zum Lost Valley sehr vielversprechend.


RANNOCH MOOR
Einige Kilometer weiter östlich vom Glen Coe befindet sich der Glen Coe Mountain Resort Skilift, welcher auch im Sommer in Betrieb ist. Leider ist der Gipfel des Berges wolkenverhangen, jedoch bietet sich einem bei gutem Wetter von oben ein wunderschöner Ausblick über das Rannoch Moor. Wir folgen der Straße weiter und halten nur mal kurz an der Straße an, um Fotos zu machen. Das Gebiet des Rannoch Moors ist von unzähligen Seen, Tümpeln und Sümpfen durchzogen und wird von Bergen umrahmt. Als wir aussteigen, nähern sich sogleich wieder unzählige Mücken, sodass wir schnell zurück ins Auto flüchten. Bevor wir in den Trossachs National Park weiterfahren, halten wir in einem kleinen Ort namens Tyndrum, um im mehrfach ausgezeichneten The Real Food Café etwas zu essen. Die Einrichtung wirkt zwar etwas trostlos, doch es gibt Suppen, Burger, Wraps und sehr sehr leckere Fish 'n' Chips.


TROSSACHS NATIONAL PARK & LOCH LOMOND
Die Straße führt weiter durch den Trossachs National Park. Dieser überzeugt vor allem durch seine schöne Natur und die zahlreichen Wander- und Radwege. Wir fahren vorbei an stillen Lochs und hohen Bergen bis zum Loch Lomond. Von einem Parkplatz im kleinen Ort Balmaha aus führt eine nicht allzu weite Wanderung hinauf zum Conic Hill. Der Weg schlängelt sich durch einen Wald sowie vorbei an Schafsweiden und einem kleinen Fluss. Von oben bietet sich uns ein wunderschöner Ausblick auf die Bucht und die umliegenden Hügel.


INVERBEG
Während wir am Ufer des Loch Lomond entlang fahren, genießen wir den Ausblick auf die idyllische Landschaft. Schließlich kommen wir in Inverbeg an, wo sich unsere heutige Unterkunft befindet, The Inn at Inverbeg. Die Unterkunft stellt sich als richtig gut heraus, das Zimmer ist gemütlich und das Badezimmer ist komplett neu und modern ausgestattet. Der einzige Nachteil: Weil es sich um ein sehr altes Haus handelt, knarren die Dielen jedes Mal ziemlich laut wenn jemand den Flur entlang läuft.


Nächstes Mal gibt es eine kleine "Behind the scenes of Cotton Candy Stories"-Geschichte. Ihr erfahrt außerdem alles zur berühmten Brücke, die im Harry Potter-Film vom Hogwarts Express überquert wird!
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27. September 2013

Rezept: Gewürz-Pflaumentörtchen

Okay, ich glaube so langsam muss auch ich mich der Wahrheit stellen: Es wird Herbst. Die sonnigen Tage an denen es etwas wärmer ist, sind mittlerweile spärlich gesät. Auch wenn ich lieber noch einige Sommertage genießen würde, muss ich zugeben, dass auch der Herbst einige schöne Facetten hat. Eine davon ist sicherlich Pflaumenkuchen! Und trotz dass ich ehrlich gesagt nicht besonders oft und gut backe, wollte ich dieses Jahr zum ersten Mal selbst etwas mit Pflaumen backen.

Ich hatte eine ganz bestimmte Vorstellung im Kopf: Es sollten kleine Törtchen mit einer Cremefüllung werden. Allerdings wollte ich nicht einfach nur Pflaumen auf meinen Törtchen drapieren, sondern wollte gerne einen scharf-würzigen Beigeschmack, der an gemütliche Herbsttage auf dem Sofa erinnert, ich wollte eben eine ganz besondere Geschmacksnote.
Schnell stellte sich heraus, dass ich kein einziges Rezept finden konnte, das so war, wie ich es wollte (ihr kennt das sicher vom Einkaufen wenn ihr loszieht um einen Mantel zu kaufen und mit allem wiederkommt außer dem). Was sollte ich also tun? Von meiner Idee ablassen oder mich dem völlig irrationalen und größenwahnsinnigen Wunsch beugen und einfach selbst ein Rezept kreieren (Ich - die keine gute Bäckerin ist)? Ich tat also das einzig Logische: Ich entschied mich dafür selbst ein Rezept zu erschaffen. Ein großes Risiko, aber ich bin froh es eingegangen zu sein, denn heraus kamen diese wirklich leckeren Törtchen! Durch die Gewürze bekommen sie eine scharf-würzige Note, die durch den Rosmarin noch unterstrichen wird. Weil ich aber doch kein völliger Backprofi bin, habe ich natürlich den Törtchenteig nicht selbst zusammengestellt, sondern mein liebstes Mürbeteig-Rezept von Donna Hay verwendet.


Zutaten (für etwa 10 Törtchen)
Für den Mürbeteig
- 225g Mehl (gesiebt)
- 125g kalte Butter (gewürfelt)
- 80g Puderzucker (gesiebt)
- 3 Eigelb
- 2 TL Vanille-Extrakt
- 1 EL Eiswasser

Für die Füllung
- 10 Pflaumen
- 4 EL Butter
- 8 EL Zucker
- Spritzer Zitronensaft
- 2 Zweige Rosmarin (jeweils etwa 8cm lang)
- je 1 TL Zimt und Kardamom
- 2 TL ganze Nelken
- 250g Mascarpone
- 150g Crème fraîche
- 2 Päckchen Vanille-Zucker


Zubereitung
Mehl, Butter und Puderzucker in eine Schüssel geben und mit einem Mixer vermengen bis der Teig kleinen Krümmeln ähnelt. Eigelb und Vanille-Extrakt hinzugeben und weiter vermengen. Zum Schluss das Eiswasser beimengen und durchmixen bis der Teig beginnt zusammenzukleben. Eine Arbeitsfläche leicht mit Mehl bestäuben und den Teig zu einer Kugel verkneten. Den Teig zu einer Scheibe plattdrücken, in Frischhaltefolie einwickeln und mindestens eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

In der Zwischenzeit Mascarpone, Crème fraîche und Vanille-Zucker in einer Schüssel gut miteinander vermixen und im Kühlschrank kalt stellen. Die Pflaumen waschen, entkernen und vierteln. In einer Pfanne die Butter erhitzen, dann Pflaumen und Zucker hinzugeben und etwa 5 Minuten kochen bis die Pflaumen von beiden Seiten karamellisiert sind. Einen Spritzer Zitronensaft sowie Zimt, Kardamom, Nelken und die Rosmarinzweige hinzugeben. Alles nochmal kurz köcheln lassen (Achtung nicht zu lange, sonst werden die Pflaumen matschig!) und dann vom Herd nehmen. Die Pflaumenmischung nun abgedeckt etwa 40-60 Minuten ziehen lassen. Danach die Rosmarinzweige und die Nelken so gut es geht entfernen.


Jetzt müsst ihr sehr schnell arbeiten, denn der Mürbeteig wird sehr schnell weich und bricht dann. Falls der Teig zu weich wird, legt ihn zum Abkühlen wieder zurück in den Kühlschrank! Den Mürbeteig zwischen zwei Blättern Backpapier etwa 3mm dick ausrollen. Mit einem runden Förmchen zehn Kreise ausstechen (diese sollten etwas größer sein als eure Törtchenformen) und den Teig vorsichtig in die Törtchenformen transportieren. Den Teig in die Form drücken, überschüssigen Teig am Rand entfernen und den Boden mehrmals mit einer Gabel einstechen. Die befüllten Törtchenformen erneut für mindestens 30 Minuten in den Kühlschrank stellen (besser länger).

Den Ofen auf 180°C vorheizen. Die Törtchen in den Ofen geben und etwa 15-20 Minuten backen oder bis sie leicht anfangen zu bräunen. Die Törtchen herausnehmen und abkühlen lassen. Schließlich vorsichtig aus den Formen lösen und die Crème gleichmäßig auf allen Törtchen verteilen. Zum Schluss die abgekühlten Pflaumen auf der Crème anrichten.

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