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22. Dezember 2016

Typisch Schwedisch: 5 Dinge, die den schwedischen Winter ausmachen

Mittlerweile lebe ich schon seit eineinhalb Jahren in Schweden und somit erlebe ich gerade bereits meinen zweiten Winter in Stockholm. Und obwohl ich dieses Jahr deutlich besser klarkomme, ist der Winter für mich noch immer der größte Minuspunkt am Leben im Schweden. Glücklicherweise ist nicht alles schlecht am schwedischen Winter, deshalb möchte ich euch diesmal erzählen, was den Winter in Schweden ausmacht.

Rotes Haus in Schweden im Winter

1) Wie jetzt, es ist erst 16 Uhr? Ich dachte, es wäre Mitternacht.
Kennt ihr das, wenn es im Winter schon um 17 Uhr dunkel wird? Jedes Jahr beklagen sich die Leute, dass es schon so früh dunkel wird - das ist ja so deprimierend und macht müde. Seit ich in Schweden lebe, weiß ich allerdings, dass es deutlich schlimmer geht, denn die Winter hier sind dunkel. Die Sonne steht eigentlich niemals wirklich hoch am Himmel, gegen 15 Uhr herrscht Sonnenuntergangsstimmung und nach 15 Uhr ist es schon wieder dunkel. Meistens meldet sich irgendwann mein Körper zu Wort: "Hunger, Zeit für Abendessen" - "Müde, Schlafenszeit". Wenn ich aus dem Fenster schaue, ist es stockfinster und ich bin fest davon überzeugt, dass es schon längst Mitternacht sein muss. Das Problem: Der Blick auf die Uhr verrät, dass es erst 16 Uhr ist! Na toll. Und das geht von etwa November bis März so...

2) Kann mal einer das Licht anmachen?
Schwedens dunkle Winter bleiben natürlich nicht ohne Folgeerscheinungen: Müdigkeit, Motivationslosigkeit, Trägheit, schlechte Laune. Die Schweden haben daher ihre ganze eigene Taktik entwickelt, um der Dunkelheit den Kampf anzusagen: Künstliches Licht. Wenn es auf die Advents- und Weihnachtszeit zugeht, tauchen sie plötzlich überall auf - Lichterketten an den Balkonen, Weihnachtssterne in den Fenstern und Kerzenpyramiden auf den Fensterbänken. Das Lichtermeer sorgt nicht nur für Weihnachtsstimmung, sondern lässt die dunklen Tage und Nächte etwas heller erscheinen.

Weihnachtsbeleuchtung in Gamla Stan Stockholm

3) Ein gefährliches Winter Wonderland.
Der schwedische Winter unterscheidet sich nicht nur durch die Dunkelheit von Deutschland, sondern auch durch das Wetter. Vor allem in Januar kann es richtig kalt werden (zwischen -10 und 20°C), aber meist gibt es dann auch reichlich Schnee, der die Dunkelheit erträglicher macht und Stockholm in ein Winter Wonderland verzaubert. Vor allem, wenn es sehr kalt ist, wird es allerdings gefährlich draußen herumzulaufen! Denn die Gehwege, vor allem außerhalb des untermittelbaren Zentrums, verwandeln sich rasend schnell in eine Eislaufbahn und der Weg nach Hause wird zur Rutschpartie. Da hilft auch Vorsicht und gutes Schuhwerk nicht mehr. In der einen Sekunde wägt man sich noch in Sicherheit, in der nächsten landet man wie ein Marienkäfer auf dem Rücken. Leider nicht ganz so lustig, wie es zunächst klingen mag ;)

Schwedisches Haus im Schnee

4) Ein Glögg, swei Glögg, rei Glöö...
Wie auch in Deutschland, wo wir in der Adventszeit Lebkuchen und Spekulatius essen, so gibt es auch in Schweden einige Traditionen, die einfach zur Weihnachtszeit dazugehören. In Stockholm eröffnen spätestens im Dezember die Weihnachtsmärkte und ziehen täglich Touristen und Einheimische an. Wenn ein kalter Wind durch die Gassen weht, kann man sich dort eine Tasse Glögg kaufen - die schwedische Version vom Glühwein. Der Geschmack ist ähnlich, allerdings trinken die Schweden ihren Glögg meist aus sehr kleinen Tassen, in die einige Rosinen und Mandeln gestreut werden. Ebenfalls ein typisches Getränk zur Weihnachtszeit: Julmust. Man hasst oder man liebt es und eigentlich weiß keiner so richtig, was es eigentlich ist. Ein schwedischer Freund beschrieb es mal so: Schlechte Cola, die es nur zur Weihnachtszeit gibt. Die Schweden lieben außerdem ihr typisches Weihnachtsgebäck, wie zum Beispiel Pepparkakor (Pfefferkuchen) oder Lussekatter (Luciagebäck), die durch den Zusatz von Safran nicht nur einen speziellen Geschmack, sondern auch ihre gelbe Farbe bekommen.

Stockholm im Winter

5) Sankta Lucia, Sankta Lucia...
Eins darf im schwedischen Winter und der Adventszeit ganz sicher nicht fehlen: Das Luciafest. Das Fest des Lichts wird jedes Jahr am 13. Dezember gefeiert und in den Kirchen der Städte versammeln sich die Schweden, um sich einem Lucickonzert beizuwohnen. Dann singt ein Chor Weihnachtslieder und die Lucia, ein junges Mädchen in einem langem, weißen Kleid trägt einen Lichterkranz im Haar, um die Dunkelheit zu vertreiben. Außerdem versetzt einen das traditionelle Lucia-Lied "Natten går tunga fjät" schonmal in Weihnachtsstimmung.
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13. August 2016

Typisch Schwedisch: 5 Dinge, die den schwedischen Sommer ausmachen

Ich lebe nun schon seit fast einem Jahr in Stockholm und immer wieder fallen mir Unterschiede zwischen Deutschland und Schweden auf. In der Vergangenheit habe ich euch schon von einigen typisch schwedischen Dingen berichtet, doch heute geht es speziell darum, was den schwedischen Sommer ausmacht!


1) 15°C - der Sommer ist da!
Ganz ehrlich: In Deutschland werden es im Sommer oft über 30°C und ich wundere mich immer wieder, dass es tatsächlich Menschen gibt, die in ihrer Freizeit bei solchen Temperaturen noch mit einer langen Hose herumlaufen. Aber Schweden hat mich gelehrt, dass es auch anders sein kann! Es ist Mai, die Sonne scheint am wolkenlosen Himmel, aber das Thermometer klettert nur bis auf 15°C. Ganz angenehme Temperatur, aber nicht gerade sommerlich. Doch die Jahreszeiten scheinen in Schweden anders definiert zu werden! Sobald die Sonne zum Vorschein kommt und es so langsam (gaaanz langsam) auf die 20°C zugeht, reißen sie sich die Kleider vom Leib. Auf dem Balkon und im Park liegen Frauen im Bikini und Sonnen sich und die Teenager in der Stadt, laufen alle in Hotpants herum. Was da los ist? Das frage ich mich selbst noch. Ich vermute, dass es daran liegt, dass es in Schweden auch im Sommer meist nicht wärmer als 20-25°C wird und man deshalb jede Chance nutzt, die sich annährend nach Sommer anfühlt...

2) Tote Hose in Stockholm: Mittsommer
Es ist Ende Juni und die Innenstadt von Stockholm ist wie ausgestorben. Falls ihr also die glorreiche Idee hattet für Mittsommer nach Stockholm zu reisen, werdet ihr hier höchstens auf andere Touristen stoßen. Denn die Schweden selbst verbringen das Fest auf dem Land, irgendwo zwischen Wäldern und Seen. Im Großen und Ganzen widmet man dem Tag dem Essen, Trinken, Tanzen und Singen. Das Thema schwarze Kleidung habe ich ja in der Vergangenheit schonmal aufgegriffen, eine Ausnahme stellt da Mittsommer da. Als Frau hüllt ihr euch am besten in weiße oder blumige Kleider und bastelt euch einen Blumenkranz, den ihr im Haar tragt. Dann wird es auch schon Zeit für eine Mahlzeit bestehend aus Kartoffeln mit Schnittlauch, Hering und Sauerrahm. Währenddessen nimmt man Nubbe (schwedischen Schnaps) zu sich und singt Trinklieder. Da irgendwann sowieso alle betrunken sind, ist es auch egal, wenn ihr eigentlich nicht singen könnt. Kein Mittsommerfest ist komplett ohne einen plötzlichen Platzregen, der jedoch meist genauso schnell wieder aufhört, wie er begonnen hat. Danach ist es Zeit die Mittsommerstange/Maistange aufzustellen, eine Stange, die mit Blättern und Blumen geschmückt wurde. Nun tanzen alle wie die Verrückten um diese Stange herum und zeigen ihr Können in typischen Tänzen, in denen die Schweden zum Beispiel einen Frosch imitieren. Ihr versteht nun vielleicht, warum so viel Alkohol involviert ist. Danach geht man erneut zum Essen über bevor man den Abend mit Sonne, tanzen und mehr Alkohol ausklingen lässt!

 
3) Mücken mit Superkräften
Habt ihr eine Abneigung gegen Mücken? Bekanntlich gehen einem die kleinen Quälgeister vor allem während des schwedischen Sommers auf die Nerven. So machte auch ich schnell Bekanntschaft mit den Mücken - und ihren Superkräften. Eines morgens wachte ich mich 34 Mückenstichen auf, die im Laufe des Tages ungefähr auf die fünffache Größe anschwollen und knallrot wurden. Dass sie unglaublich gejuckt haben, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Am nächsten Tag auf der Arbeit erzählte ich meine Kollegen entsetzt, dass ich gegen die schwedischen Mücken wohl allergisch sei. Ich erntete ein Lächeln und die Antwort: "Ach, das ist normal. So reagieren die meisten am Anfang des Sommers auf die Stiche, meistens entwickelt man mit der Zeit dann eine gewisse Immunität." Aha. Nach sieben Tagen, reichlich kühlen und Cortison-Salbe waren die Mückenstiche nur noch knallrot und waren auf eine passable Größe geschrumpft. Letztendlich hat bei mir nur frischer Aloe Vera-Saft aus den Blättern meiner Pflanze geholfen.

4) Die Sonne ist da. Der Regen auch.
Der schwedische Sommer zeichnet sich definitiv nicht durch sein kontinuierlich sonniges Wetter aus. Wenn ihr morgens das Haus verlasst, ist der Himmel blau und die Sonne lacht euch an. Drei Stunden später zieht sich der Himmel innerhalb von zehn Minuten zu und heftige Regenschauer prasseln auf euch nieder. Nicht gerade das, was ich unter perfektem Sommerwetter verstehe. Aber zum Glück verzieht sich der Regen meist genauso schnell, wie er aufgetaucht ist. Seid also besser auf alle Eventualitäten vorbereitet und tragt einen Regenschirm bei euch!


5) Auf in den Schärengarten!
Was im schwedischen Sommer definitiv nicht fehlen darf, ist ein Besuch der Schären. Auf den vielen kleinen Inseln gibt es nicht nur Boote und typische, rote Häuser, sondern auch Wälder und Strände. Selbst im Stockholmer Schärengarten hat jede Insel ihren eigenen Charme und etwas anderes zu bieten. Typisch schwedisch ist es im Sommer mit seinem Boot raus auf eine Insel zu fahren. Viele Schweden besitzen dort sogar ihr eigenes Sommerhaus, wo sie ihre Ferien verbringen. Doch auch, wenn ihr nur einen Tagesausflug macht, werdet ihr schnell die schwedische Weite und Freiheit erleben, wenn ihr mit der Fähre durchs Meer zwischen den kleinen Inseln fahrt.
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5. Juli 2016

Die Sache mit dem Leben im Ausland: 10 Monate Stockholm

In dem Moment, wo ich diesen Text verfasse, kann ich es selbst kaum glauben: Es ist bereits 10 Monate her, dass ich meine Koffer gepackt habe und nach Stockholm gezogen bin. Fast ein ganzes Jahr und es ist wie im Fluge vergangen. Die ersten zwei Semester sind vorbei und es gab Höhen und Tiefen. Während des Sommers bin ich jetzt Zuhause in Köln, aber ich möchte trotzdem ein Fazit ziehen, was im letzten Jahr so alles passiert ist und einen kleinen Blick auf meine zukünftigen Pläne werfen.

Stockholm im Sommer

10 Monate in Stockholm: Ein Fazit

In meinem ersten Fazit nach 4 Monaten in Stockholm hatte ich ja berichtet, dass ich einen ziemlich schwierigen Start hatte, aufgrund von schlechter Wohnsituation und zu viel Stress. Seit letztem November wohne ich aber in einer internationalen WG, mit einem Inder, einer Ungarin und einer Französin zusammen und fühle mich dort total wohl. Es gibt keinen Streit, die Stimmung ist ausgeglichen und wir verstehen uns alle gut. Mittlerweile ist mein WG-Zimmer auch Dank vieler kleiner Errungenschaften aus meinem Lieblings-Dekogeschäft Lagerhaus richtig gemütlich geworden und fühlt sich einfach wie mein Rückzugsort und Zuhause an.

Leider fing aber auch das zweite Semester zunächst nicht so gut an. Es war immer noch Winter, demnach kalt und dunkel. Zwar waren der Schnee und die Sonnenuntergänge wirklich schön, aber die Dunkelheit machte mir wirklich zu schaffen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie müde das macht! Es gab Stress mit einer Freundin und dann wurde ich auch noch ziemlich krank. Hinzu kam, dass die erste Hälfte des Semesters ziemlich fordernd war und wir einen Entwurf für unsere Masterarbeit, sowie 4 weitere Essays alle bis Mitte März einreichen mussten - ganz abgesehen von meinem Nebenjob, der auch einige Zeit kostete. In meinem gesundheitlichen Zustand zu dieser Zeit unmöglich.

Stockholm im Sommer

Als es dann auf den April zuging, wurde langsam alles besser. Ich war wieder fit, das Wetter besserte sich auch endlich und zudem machte ich mir ein Praktikum bei Schwedens öffentlichen Fernsehsender SVT klar, wo ich knapp zwei Monate lang in der Dokumentations-Redaktion arbeitete. Der spannendste Job, den ich bisher hatte und vor allem so unglaublich viele nette Menschen auf einem Haufen! Wirklich eine super Erfahrung!

Was denke ich also mittlerweile von Schweden? Ich arbeite noch immer an meinem Schwedisch, denn da harpert es noch ziemlich. Aber ich fühle mich mittlerweile so richtig angekommen und es ist Alltag in meinem schwedischen Leben eingekehrt. Ich habe mir einen Freundeskreis aufgebaut, mache Sport und meditiere seit einigen Monaten auch wieder. Ich kann mich wirklich nicht beklagen, mir geht es so gut, wie schon lange nicht mehr und ich bin rundum zufrieden mit meinem Leben in Stockholm.

Källtorpssjön Stockholm

Als das Wetter besser wurde, konnte ich endlich Nutzen von meinem Balkon machen und habe viele Stunden in der Sonne verbracht und gelesen oder habe mit Freunden die Umgebung von Stockholm erkundet. Letztendlich kann ich nur sagen, dass der Sommer (oder den Teil, den ich davon mitbekommen habe) in Stockholm absolut großartig ist! Dafür ist der Winter umso beschissener, kein Witz. Aber zur Zeit liebe ich Stockholm einfach nur und wäre am liebsten gar nicht zurück nach Hause geflogen.
 
Am Anfang habe ich in Köln ein paar Tage lang erstmal einen richtigen Kulturschock gehabt und wäre am liebsten sofort zurück nach Schweden! Aber nach ein paar Tagen war es dann so, als wäre ich gar nicht weg gewesen und gerade genieße ich es, einfach nichts tun zu müssen außer lesen, Artikel schreiben, kochen, Freunde treffen, Filme schauen - alles Dinge, die Spaß machen eben. Während der Ferien geht es für mich außerdem noch in die Schweiz, nach Belgien und in die Niederlande. Und es steht ein Roadtrip durch Schweden an.

Golden Hour Stockholm

Dennoch merke ich mittlerweile, dass ein Auslandssemester noch einmal etwas ganz anderes ist, als zwei Jahre lang in einem anderen Land zu leben. Oder vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ich schon in so vielen verschiedenen Ländern gelebt habe. Aber manchmal fühle ich mich ein bisschen "entwurzelt". Jedes Mal wenn ich nach Deutschland komme, hat sich etwas verändert, ohne dass ich es bemerkt habe. Briefmarken kosten mittlerweile schon 70 Cent (Was zur Hölle?!), habe ich gelernt, als ich bei der Post war - "Schon seit einem halben Jahr." Oh, oops... Und nein, der dm hat samstags auch nicht bis 20 Uhr auf, wie ich dachte, sondern nur bis 18 Uhr. Auf meine Nachfrage, wann die Öffnungszeiten geändert wurden, sagt man mir "Wir haben nur zur Weihnachtszeit bis 20 Uhr auf." Oohh...

Wie geht es also weiter? Erstmal genieße ich noch etwas deutsche Luft, aber ich freue mich schon darauf, wenn es im August für mich zurück nach Hause geht! Dann wird endlich Schweden erkundet bevor im September die Uni wieder anfängt. Und mal schauen, was ich in einem halben Jahr zu berichten habe ;)

Sonnenuntergang am Järlasjön Stockholm
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27. Juni 2016

Tipps zur Wohnungssuche in Stockholm: So findet ihr ein Zimmer!


Ich weiß noch genau, wie damals die Zusage für meinen Masterplatz an der Universität Stockholm in mein Postfach geflattert kam. Nachdem die erste Überraschung und Freude langsam verflogen war, trat schnell ein neues Gefühl an ihre Stelle: Panik. Denn wie zur Hölle sollte ich in Stockholm nur ein Zimmer finden?!

Der Ruf von der problematischer Wohnungssituation in Stockholm eilt Schwedens Hauptstadt weit voraus. Es gibt zu wenige Wohnungen, es gibt zu wenige WG-Zimmer, die Mieten sind zu hoch und vor allem bekommt man sowieso keine Mieterverträge aus erster Hand. Doch trotzdem zieht es jedes Jahr tausende von Studenten nach Stockholm, um dort ihr Studium, Auslandssemester oder ein Praktikum zu absolvieren. Ganz abgesehen von all den Leuten, die zum Arbeiten nach Stockholm ziehen.

Wie findet man also eine Wohnung oder ein Zimmer in Stockholm? Leider ist das wirklich sehr schwierig, aber mit etwas Durchhaltevermögen, Geduld, Vorsicht und ein bisschen Kreativität nicht unmöglich! Als ich mich auf die Suche begeben habe, war ich zugegebenermaßen ziemlich ahnungslos und im Nachhinein weiß ich nun vieles, was ich gerne damals schon gewusst hätte. Immerhin habe auch ich ein Zimmer gefunden und ich möchte meine Tipps zur Wohnungssuche in Stockholm mit euch teilen, damit auch ihr hoffentlich schnell etwas findet!

Gamla Stan in Stockholm

Wohnungsmarkt in Stockholm
Generell ist es leider so, dass es für Schweden und Ausländer gleichermaßen problematisch ist, eine Wohnung zu finden, denn der Wohnungsmarkt in Stockholm ist angespannt. Denn bezahlbare Wohnungen sind leider eine Rarität. Das größte Problem besteht zudem darin, dass zwar viele Wohnungen angeboten werden, allerdings nur zur Zwischen- oder Untermiete. Das heißt, dass man entweder ständig umziehen muss, da der Vertrag zeitlich begrenzt ist oder dass die Mieten viel zu hoch sind, da es sich um einen Vertrag aus zweiter Hand handelt. Die Stockholmer müssen sich auf eine Warteliste setzen lassen, um eine Wohnung in der Stadt zu bekommen oder kaufen zu können. Allerdings muss man etwa 10 Jahre auf der Warteliste stehen, um überhaupt eine vernünftige Wohnung zu bekommen! Aus diesem Grund wollen viele ihre Wohnung behalten, wenn sie denn einmal eine bekommen haben - verständlicherweise. Aber so entsteht leider auch das Problem, dass viele ihre Wohnung untervermieten, wenn sie um- oder wegziehen und dabei deutlich auf die Miete aufschlagen, da man sich das in Stockholm leider erlauben kann. So kommen also die hohen Mieten zustande. Um einen normalen Mietvertrag zu bekommen, muss man schon wirklich Glück haben.

Altbau in Stockholm

Wohngegenden in Stockholm
Eine der Fragen, die ich mir gestellt habe, as ich erstmals nach einem Zimmer in Stockholm gesucht habe war: Wo in Stockholm sollte ich am besten wohnen - und vor allem, wo besser nicht?! Natürlich hat man erstmal den Wunsch möglichst nahe z.B. an der Uni oder dem zukünftigen Arbeitsplatz zu wohnen, aber vor allem wenn dieser im Zentrum liegt, solltet ihr diesen Wunsch lieber schnell aufgeben, denn das ist nicht nur nahezu unmöglich, sondern auch teuer. Stockholm hat jedoch ein wirklich gutes U-Bahn-System, die T-bana (Rote Linie, Grüne Linie und Blaue Linie), welche einen überall recht schnell hinbringt. Bei der Wohnungssuche solltet ihr deshalb vor allem darauf achten, ob eine T-bana Haltestelle in der Nähe ist und falls nicht, ob es einen Bus gibt, der euch möglichst schnell dorthin bringen kann. Alternativ ist natürlich auch eine Lage nahe einer Pendeltåg (Zug) Haltestelle sehr praktisch. Auf einer Karte von Stockholm sehen die Vororte Stockholms alle unglaublich weit weg aus, aber lasst euch am besten vom Google Maps Routenplaner anzeigen, wie lange ihr mit der U-Bahn von einer Haltestelle bis nach T-Centralen (dem Hauptbahnhof) braucht, das gibt euch eine ganz gute Vorstellung von der Entfernung. So kann man dann für weniger Geld zum Beispiel ein WG-Zimmer in Stockholm mieten.

Zum unmittelbaren Zentrum von Stockholm gehören die Stadtteile Östermalm, Norrmalm, Vasastan, Djurgården, Kungsholmen, Gamla Stan und Södermalm. Während Östermalm vor allem exklusiv und nobel ist, findet man in Södermalm eher das altenative, hippe Volk von Stockholm. Relativ ruhig und sicher kann man aber zum Beispiel auch in Vällingby, Bromma, Solna, Sollentuna, Danderyd, Lidingö, Nacka, Enskede, Liljeholmen oder Hägersten leben. Stadtteile, die weniger sicher sind und wo es öfter zu Kriminalität kommen kann sind hingegen Kista, Husby und Akalla, Rinkeby und Tensta, Skarpnäck, Bredäng, Alby und Fittja, Vårberg und Skärholmen sowie Hallunda, Norsborg und Tumba. Natürlich sind das alles meine persönlichen Einschätzungen sowie die meiner Freunde, aber von den meisten dieser Wohngegenden würde ich mich vor allem abends fernhalten.

Strandvägen in StockholmFruängen in Stockholm

Mietpreise in Stockholm
In erster Linie solltet ihr euch darauf einstellen, dass die Mieten höher sind als in Deutschland. Mit großer Wahrscheinlichkeit werdet ihr eine Wohnung oder ein Zimmer finden, dass teuer ist. Sicherlich gibt es auch da Ausnahmen, zum Beispiel wenn ihr ein Zimmer im Studentenwohnheim ergattert, weiter weg vom Zentrum oder der T-bana wohnt oder einen Vertrag aus erster Hand habt. In diesem Fall kann die Miete für ein Zimmer zwischen 3000 und 3500 Schwedischen Kronen liegen (etwa 318 bis 370 Euro, Stand: 25.06.2016). In den allermeisten Fällen werdet ihr aber weniger Glück haben und müsst euch mit den normalen Mieten für ein Zimmer begnügen, die von 4000 bis 6500 SEK (etwa 425 bis 690 Euro, Stand: 25.06.2016) und mehr reichen können - Stockholm eben. Wenn euch etwas mehr Geld zur Verfügung steht, könnt ihr auch nach einer kleinen Wohnung Ausschau halten, hier bezahlt ihr je nach Lage und Austattung zwischen 6000-10.000 SEK (etwa 636 bis 1060 Euro, Stand: 25.06.2016) und mehr für ein etwa 25m2 großes Apartment. Eine Wohnung in Stockholm als Student zu finden, ist daher eher problematisch, wenn man nicht super viel Geld hat.

Strandvägen in Stockholm

Wohnungsbetrüger in Stockholm
Leider ist die schwierige Wohnungsmarkt in Stockholm kein Geheimnis und das machen sich einige Leute zu Nutzen. Der Wohnungsmarkt hat viele seriöse Angebote zu bieten, doch leider tummeln sich dazwischen auch einige Betrüger, die versuchen, verzweifelte Studenten übers Ohr zu hauen. Lasst euch von eurer Verzweiflung also nicht soweit bringen, dass ihr alles in Kauf nehmt, sondern seid wachsam. Meist erkennt man unseriöse Angebote schnell: Die Anzeigen sind in Englisch verfasst, die Beschreibung der Wohnung oder des Zimmers klingt einfach zu gut, um wahr zu sein (Lage direkt im Zentrum, moderne und neue Ausstattung, gute Verkehrsanbindung etc.) und die Miete scheint überraschend niedrig. Spätestens wenn ihr euer Interesse bekundet, werdet ihr feststellen, ob der Vermieter die Masche eines Bertrügers anwendet. Die häufigsten sind folgende:
  1. Der Vermieter arbeitet und lebt derzeit angeblich im Ausland und schickt als Beweis Fotos der Wohnung und eine Kopie seines Ausweises - meist ist beides gestohlen! Ihr werdet außerdem danach gefragt im Voraus eine Kaution zu zahlen, meistens auf ein ausländisches Konto. 
  2. Der angebliche Vermieter vereinbart mit euch einen Besichtigungstermin, ihr besichtigt die Wohnung oder das Zimmer und sobald ihr euch auf Einzugsdatum und Miete geeignigt habt, sollt ihr eine Kaution zahlen (meistens Cash) bevor ihr einzieht. Sobald ihr das getan habt, ist der Vermieter unauffindbar und nicht mehr zu erreichen. Deshalb solltet ihr niemals etwas bezahlen, bevor ihr keinen Vertrag unterschrieben und die Identität des Vermieters überprüft habt! Besonders raffinierte Betrüger händigen den Mietern sogar einen Schlüssel aus - der sich allerdings im Nachhinein als Fälschung herausstellt, die nicht zur Tür passt.
Wie könnt ihr also Betrüger vermeiden?
  1. Fragt den Vermieter nach persönlichen Informationen (Name, Telefonnummer, Personennummer).
  2. Kontrolliert, ob die Adresse der Wohnung tatsächlich existiert.
  3. Sucht bei Google nach dem Namen des Vermieters, um herauszufinden, ob andere bereits auf einen Betrüger mit diesem Namen hereingefallen sind. Auf Seiten wie hitta.se könnt ihr außerdem die Adresse des Vermieters überprüfen.
  4. Verschickt niemals euren eingescannten Ausweis - diesen kann der angebliche Vermieter dann in seinem nächsten Betrug benutzen.
  5. Bezahlt niemals die Kaution bevor ihr die Wohnung nicht gesehen und den Vertrag unterschrieben habt!
  6. Manchmal gibt es seriöse Vermieter, die bereits im Voraus eine Kaution überwiesen haben möchten. In diesem Fall, solltet ihr sichere Zahlungsmethoden wie PayPal nutzen.
  7. Bezahlt niemals Cash, denn das macht es schwierig für euch eine Zahlung zu beweisen, falls es zu Problemen kommt.
Hägerstensåsen
Schlechte Wohnungsangebote in Stockholm
Als ob es mit der Wohnungsnot, den hohen Mieten und den Betrüger auf dem Wohnungsmarkt nicht schon schwierig genug wäre, kommen zu guter Letzt noch die Angebote hinzu, die zwar seriös sind, aber dafür echt nicht so das Wahre. Generell würde ich euch auf jeden Fall raten, wenn ihr gerade in akuter Wohnungsnot seid, da z.B. bald das Semester anfängt, dann nehmt, was ihr kriegen könnt! Notfalls könnt ihr euch immer noch nach etwas Besserem umsehen, aber setzt eure Ansprüche am Anfang nicht zu hoch an. Denn vor allem zu Beginn eines Semesters suchen unzählige schwedische und ausländische Studenten nach Wohnungen. Dennoch solltet ihr euch darüber bewusst sein, dass manche Angebote echt nicht besonders toll sind, auch wenn die Vermieter seriös und der Mietpreis in Ordnung ist. In Stockholm eine Wohnung zu suchen, ist nicht umsonst sehr anstrengend.

Es gibt zum Beispiel viele Familien oder alleinstehende Personen, die ein Zimmer in ihrer Wohnung untervermieten, um entweder ein wenig Geld zu verdienen oder weil sie ohne dieses Einkommen nicht ihre Miete zahlen können. Sicherlich gibt es auch hier positive Beispiele, wo die Vermieter tatsächlich an einem Zusammenleben mit euch interessiert sind. Aber leider habe ich bereits von vielen anderen gehört, die so wie ich schlechte Erfahrungen mit diesem "Wohnmodell" gemacht haben. In der Regel handelt es sich nämlich nicht um eine richtige WG oder ein Zusammenleben, sondern die Person oder Familie vermietet das Zimmer nur wegen des Geldes an euch. Im Schlimmsten Fall werdet ihr ignoriert, sollt euch an allerlei seltsame Regeln halten (die Küche nicht mehr nach 19 Uhr benutzen, nicht nach 22 Uhr nach Hause kommen, keine Freunde mitbringen etc.), werdet als kostenloser Babysitter missbraucht oder euch wird das Leben zur Hölle gemacht. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass ihr vor allem zu Beginn eines neuen Semesters wirklich besseres zu tun habt als euch mit eurem Vermieter herumzustreiten, deshalb kann ich jedem nur wärmstens ans Herz legen, sich vorher gut zu überlegen, ob die Wohnsituation für ihn tragbar ist. Sonst endet ihr nachher wie ich bei einer psychopathischen, 59-jährigen, esoterischen Schwedin, die an Verschwörungstheorien glaubt und Meditationskurse in ihrem Wohnzimmer abhält ;)

Kungsholmen in Stockholm

Wohnung in Stockholm finden
Wie ihr bereits gemerkt habt, gibt es so einiges zu beachten, wenn man nach einem WG-Zimmer oder einer Wohnung in Stockholm sucht. Es ist allerdings nicht unmöglich etwas Schönes zu finden! Jetzt geht es also ans Eingemachte - hier sind meine persönichen Tipps, wie ihr ein WG-Zimmer oder eine Wohnung in Stockholm findet.

Zimmer im Studentenwohnheim in Stockholm finden
Die einfachste und billigste Option ist es, ein Zimmer im Studentenwohnheim in Stockholm zu bekommen. Hier findet ihr unter anderem auch möblierte Zimmer, was recht praktisch ist, wenn ihr vielleicht nur ein Auslandssemester macht. In der ganzen Stadt gibt es verschiedene Wohnheime, sowohl zentral als auch etwas außerhalb gelegen. Um euch für ein Zimmer im Studentenwohnheim zu bewerben, müsst ihr euch auf der Website von Stockholms Studentbostäder (SSSB) einen Account anlegen. Von da an steht ihr auf der Warteliste und sammelt Credits. Wichtig: Um auf der Warteliste zu stehen, müsst ihr ein Mitglied des Studentenwerks einer Universität in Stockholm sein, allerdings könnt ihr euch bereits etwa 3 Monate vorher registrieren und anfangen Credits zu sammeln. Nach spätestens 90 Tagen müsst ihr allerdings dem Studentenwerk beigetreten sein. Auf der Website könnt ihr dann nach verfügbaren Zimmern suchen und euch online dafür bewerben. Um ein Zimmer zu bekommen, müsst ihre eine gewisse Anzahl an Credits gesammelt haben. Wenn ihr erstmal nur ein Zimmer zur Zwischenmiete wollt, könnt ihr auf verschiedenen anderen Seiten suchen:
  • Lappis: Forum des Wohnheims Lappis
  • Lappis: Facebook-Gruppe des Wohnsheims Lappis
  • Kungshamra: Facebook-Gruppe des Wohnsheims Kungshamra
WG-Zimmer in Stockholm finden
WG-Zimmer in Stockholm gesucht? Wenn ihr gerne mit anderen Studenten oder jungen Leuten zusammen in einer WG wohnen möchtet, gestaltet sich die Suche als etwas schwierig. Der Grund ist, dass Wohngemeinschaften in Stockholm ziemlich unüblich sich. Die meisten Schweden wohnen entweder alleine oder mit Freunden zusammen. Ein Zusammenleben mit Fremden ist eher ungewöhnlich und entsteht meist nur aus dem Wunsch heraus, eine zusätzliche Einnahmequelle zu haben. Jedoch ist es nicht unmöglich eine WG zu finden, wenn man weiß, wo man suchen muss. Ihr solltet aber im Hinterkopf behalten, dass es leider nur ein geringes Angebot an richtigen WGs gibt. Die meisten WGs in Stockholm liegen weiter außerhalb in der Natur, wo mehrere Gleichgesinnte zusammen eine Villa anmieten. Viele der WGs sind außerdem rein vegetarisch oder vegan. Beliebte Schlagwörter, wenn ihr nach WG-Zimmern in Stockholm sucht sind z.B. Kollektiv Stockholm, Flatshare Stockholm oder Shared apartment Stockholm. WG-Zimmer könnt ihr vor allem auf diesen Seiten finden:
Zimmer und Wohnungen in Stockholm finden
Wenn ihr in Stockholm ein (möbliertes) Zimmer mieten möchtet, aber euch egal ist, ob dieses zu einer richtigen WG gehört, dann habt ihr bereits etwas mehr Auswahl, da viele Familien und Einzelpersonen Zimmer in ihrer Wohnung untervermieten, um sich etwas dazu zu verdienen. Wenn euch etwas mehr Geld zur Verfügung steht, gibt es außerdem die Möglichkeit kleine Apartments anzumieten. Auf folgenden Seiten findet ihr Angebote für Zimmer und Wohnungen in Stockholm:
Des Weiteren lohnt es sich, regelmäßig einen Blick in diverse Facebook-Gruppen zu werfen. Dort könnt ihr nicht nur nach Angeboten suchen, sondern auch selbst eine kleines Gesuch posten. Gebt euch dabei Mühe und versucht aus der Masse herauszustechen, denn täglich werden dort unzählige Anzeigen gepostet. Versucht euch und das, wonach ihr sucht, so gut wie möglich zu beschreiben - und seid dabei ruhig kreativ! Dann braucht ihr nur noch darauf zu warten, dass ein Vermieter euch anschreibt. In diesen Facebook-Gruppen könnt ihr suchen:
Vorläufige Zimmer in Stockholm mieten
Wenn ihr trotz aller Bemühungen keine Unterkunft gefunden habt bis ihr nach Stockholm zieht, solltet ihr vorübergehend ein Zimmer im Hostel oder über AirBnB buchen. Jedoch kann ein Aufenthalt im Hostel auf Dauer teuer werden, daher solltet ihr das nur als Zwischenlösung sehen. Auch Couchsurfing kann eine vorübergehende Möglichkeit sein. Notfalllösungen findet ihr hier:
Zimmer in Stockholm

Tipps zur Wohnungssuche in Stockholm
  • Beginnt so früh wie möglich mit der Suche!
  • Nutzt so viele verschiedene Plattformen wie möglich.
  • Sucht in verschiedenen Stadtteilen und nicht nur in unmittelbarer Nähe zur Universität.
  • Verfasst selbst eine Anzeige und stellt diese in diversen Facebook-Gruppen und/oder auf Blocket online (Es ist auf jeden Fall von Vorteil, wenn diese in Schwedisch ist!).
  • Seid kreativ beim Verfassen von Anzeigen und stecht aus der Masse heraus!
  • Begebt euch aktiv auf die Suche und wartet nicht nur darauf, dass sich Leute auf eure Anzeigen melden.
  • Meldet euch so schnell wie möglich auf neue Anzeigen (Vermieter erhalten hunderte von Nachrichten).
  • Verwendet eine freundliche und gute Beschreibung von euch selbst und eurem Lebensstil, wenn ihr einem Vermieter schreibt (Nicht nur: "Is the room still available?" oder "Hey, I'm interested in the room").
  • Antwortet so schnell wie möglich auf Nachrichten, falls euch jemand antwortet.
  • Nehmt euch in Acht vor Betrügern!
  • Versucht schon vorher nach Stockholm zu fliegen, um euch persönlich Zimmer anzuschauen, das erhöht eure Chancen enorm (viele Vermieter sortieren Leute, die nicht persönlich vorbeikommen können, direkt aus).
  • Haltet durch, es lohnt sich! :)
Blick über Stockholm
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29. Februar 2016

Typisch Schwedisch: 5 Dinge, die das schwedische Leben ausmachen

Mittlerweile ist es bereits sechs Monate her, dass ich nach Stockholm gezogen bin. In der Zeit sind mir bereits viele Unterschiede zwischen Deutschland und Schweden aufgefallen, an denen ich euch natürlich teilhaben lassen möchte. Beim letzten Mal habe ich euch bereits von einigen typisch schwedischen Dingen berichtet und heute folgen die nächsten!

Sommer in Stockholm

1) Black is the new black
Die Schweden sind bekannt für ihre stylische Mode und ihr schlichtes Interior Design. Sich unter das schwedische Volk zu mischen, ist gar nicht so schwer, wenn man drei Regeln beachtet:
1. Halte dein Outfit schlicht!
2. Ein gutes Outfit ist schwarz - egal für welchen Anlass.
3. Sorge dafür, dass du trotzdem sportlich aussiehst (zum Beispiel durch schicke Sportschuhe).
Bereits im Fitnesstudio fällt auf, dass hier niemand in ollen Jogginghosen rumläuft, sondern die meisten auch beim Sport in engen Trainingshosen und Shirts eine gute Figur abgeben wollen. Ist man in der Stadt unterwegs und sieht sich um, fällt relativ schnell auf: Die Schweden lieben schwarze, schlichte Outfits. Vielleicht weil Schwarz einfach zu allem passt oder einen super Kontrast zu blondem Haar darstellt, aber bezüglich Farbe sind die Schweden eher zurückhaltend. Meine schwedischen Kommilitonen scherzen schon immer, dass sie heute wieder in "ihrer Uniform" unterwegs sind. Wer mich kennt, weiß, dass ich hier also ganz schön aus dem Raster falle. Ich mag Farben und ich mag Muster! Und daran wird sich auch so schnell nichts ändern, auch wenn ich Gefallen daran gefunden habe, an manchen Tagen ein schlichtes, schwarzes Outfit zu wählen ;)

2) Ein persönlicher Waschsalon
"Nein, sorry ich kann morgen Nachmittag nicht, da habe ich schon die Waschmaschine gebucht!", ist hier ein ganz normaler Grund, um ein Treffen zu verschieben. Die Mietshäuser und Wohnanlagen haben in der Regel einen separaten Waschraum mit mehreren Waschmaschinen und Trocknern. Da das bei so vielen Hausbewohner schnell zu Chaos führen könnte, gibt es ein Buchungssystem: eine Tafel, auf der man eine Waschmaschine an einem bestimmten Datum und für eine bestimmte Zeitspanne buchen kann. Und wenn man für Samstagnachmittag von 14:30 bis 17 Uhr die Waschmaschine gebucht hat, steht eben Wäsche an. Denn wenn man nicht rechtzeitig auftaucht, übernimmt jemand anderes die Waschmaschine und wer weiß, wann das nächste Mal eine frei wird! Irgendwie finde ich es auch ganz witzig, meine Wäsche in diesem großen Waschraum zu waschen, wo zur gleichen Zeit schwedische Hausfrauen ihre Wäsche falten. Fast wie in einem echten Waschsalon. Achja, und vergesst bloß nicht eure Wäsche in einer blauen IKEA-Tüte zum Waschraum zu tragen!

Köttbullar

3) Regale voller Knäckebrot
Das mit der Fika hatten wir ja bereits beim letzten Mal geklärt und zu jeder guten Fika gehören natürlich schwedische Köstlichkeiten wie Kanelbullar (Zimtschnecken), Semla (Gebäck mit Sahne und Marzipan), Kladdkaka (Schokoladenkuchen) oder Chokladbollar (Schokoladenkugeln) dazu. Die Schweden haben einigen ihrer liebsten Gebäcke sogar einen eigenen Ehrentag gewidmet: den Kanelbullens dag, den Semladag oder den Våffeldag. Weitere kulinarische Highlights aus Schweden sind den meisten von euch vermutlich von IKEA bekannt: Köttbullar (Fleischbällchen) mit Kartoffelbrei und Lingon (Preiselbeeren), Knäckebrot (das im Supermarkt ganze Regale füllt) oder Daim-Schokolade. Weniger mein Ding und etwas exotischer: Elchfleisch, Surströmning (fermentierter Hering, der extrem stinkt) oder Sill (eingelegter Hering). Fragt mich bitte nicht, wer freiwillig Fermentiertes isst, das habe ich mich schon damals in Island gefragt.

4) Zwei Matratzen sind besser als eine!
Eine weitere Besonderheit in Schweden ist ihre Vorliebe für die sogenannten Resårbottnar, Betten im schlichten Design, die quasi aus der Matratze (mit eingebautem Lattenrost) und den Füßen bestehen; sowas wie Bettrahmen, separates Lattenrost oder Kopfteil gibt es nicht. Lustigerweise besitzen solche Betten aber zwei Matratzen: die Bäddmaddrass und die Resårmaddrass. Zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, aber man fühlt sich immerhin ein bisschen wie die Prinzessin auf der Erbse.

Schwedisches Wohnhaus

5) Keine Klingeln, keine Namensschilder
Habt ihr euch schonmal vorgestellt, wie es wäre, einen Freund zu besuchen, vor dessen Haus anzukommen und vor der verschlossenen Tür weder Namensschilder noch Klingeln zu finden? Vermutlich nicht, denn das macht ja auch überhaupt keinen Sinn! In Schweden ist das aber leider Normalität. In den meisten Fällen findet man an der Haustür eines Wohnhauses bloß eine Tastatur über die man einen Tür-Code eingeben muss, um ins Treppenhaus zu kommen. Falls man es bis dahin geschafft hat, ist schonmal ein großer Schritt getan. Jetzt muss man nur noch die richtige Tür finden - und falls man Glück hat, gibt es dort sogar eine Klingel. Die sieht aus wie ein Knopf an der Tür und klingt ein bisschen wie ein kleines Glöckchen. Falls euch euer Freund aber vorher nicht den Tür-Code gegeben hat, steht ihr jetzt natürlich immer noch vor der Haustür. Und das ist manchmal ganz schön doof, wenn euer Freund zum Beispiel sein Handy nicht hört. Also schnell mal eine Nachricht schicken: "Ich bin vor deinem Haus. Lässt du mich rein?".
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30. Januar 2016

Der Kampf gegen den Winterblues: 8 Tipps gegen das Stimmungstief

Es ist kalt, es regnet und schneit und manchmal sieht man tagelang nicht die Sonne. Stattdessen bringt der Blick aus dem Fenster nasse Straßen, matschiges Laub und einen eisgrauen Himmel zum Vorschein. Wir alle kennen wohl diese tristen Winter, die einem total die Laune vermiesen. Doch neben schlechter Laune kann die kalte Jahreszeit bei einigen Menschen auch etwas tiefere Spuren hinterlassen. Jedes Jahr plagen sie sich von Neuem mit Müdigkeit, Kraftlosigkeit und Niedergeschlagenheit herum. Im umgangssprachlichen Sinne auch Winterblues genannt, kann einem der Winter aber manchmal so sehr aufs Gemüt schlagen, dass daraus eine Winterdepression entsteht. Der Grund dafür ist ein Ungleichgewicht unserer Hormone. Die verkürzten Tageslichtphasen sowie die verminderte Lichtintensität im Winter führen zum Lichtmangel.  Normalerweise wird tagsüber das Hormon Serotonin produziert, dass uns unter anderem wach hält. Sobald es dunkel wird, schüttet der Körper vermehrt Melatonin aus, welches das Einschlafen fördert. Wie ihr euch bereits denken könnt, wird es im Winter früher dunkel, es gibt demnach weniger Tageslichtstunden. Aus diesem Grund wird bereits tagsüber Melatonin produziert und wir werden dementsprechend müde und schlapp.

Tipps gegen den Winterblues

Ich kann nicht bestreiten, dass der Winter auch bei mir manchmal für Müdigkeit und schlechte Stimmung sorgt, aber ich bin normalerweise niemand, der an Winterdepressionen leidet. Denn zwischen einer Verstimmung und einer Depression liegen meilenweite Unterschiede. Wie ich also auf das Thema komme? Während die Leute in Deutschland bereits darüber klagen, dass es so früh dunkel wird, ist das mit dem Tageslicht in den nordischen Ländern nochmal ein ganz anderes Kaliber. Als ich mein Auslandssemester in Reykjavík gemacht habe, war es im Dezember nur vier Stunden am Tag hell und ich hatte kein großes Problem damit. Klar, irgendwie wird man dadurch schon müde und faul, hängt lieber mit einer Tasse Kakao im Bett herum und schaut sich Serien an. Aber ich könnte nicht behaupten, dass mich das Wetter deprimiert hätte.

Hier in Stockholm hatten wir im Dezember etwa sechs Stunden Tageslicht, die Sonne ging um etwa 9 Uhr auf und gegen 15 Uhr war es dann wieder relativ dunkel. Ein Freund aus der Schweiz fragte mich letztens ganz verständnislos, ob das denn so ein großer Unterschied zu Deutschland sei und ob das mit dem Licht wirklich so schlimm sei. JA, ist es! Ich weiß selbst nicht wieso, vielleicht weil ich diesmal wusste, dass ich nach Weihnachten wieder zurück hierher komme, aber der Winter hat mich dann doch ziemlich erwischt und ich habe die Auswirkungen des Lichtmangels schon deutlich gespürt.

Allerdings habe ich mein Bestes getan, um dem Stimmungstief entgegenzuwirken. Da der ein oder andere von euch vielleicht auch so seine Probleme mit der kalten Jahreszeit hat, habe ich hier meine 8 hilfreichsten Tipps für euch zusammengestellt, um dem Winterblues den Kampf anzusagen!

Winter auf Skeppsholmen, Stockholm

1) Spaziergänge im Tageslicht
Draußen ist es kalt und das Bett ist so gemütlich warm. Ja, der Schweinehund ist im Winter nicht so leicht zu überwinden. Und doch, Rausgehen an die frische Luft, um Sonne oder zumindest Tageslicht zu tanken, ist die vermutlich beste Methode, um dem Lichtmangel entgegenzuwirken. Wenn möglich also jeden Tag zumindest für einen kurzen Winterspaziergang rausgehen und ein bisschen frische Luft schnappen. Besonders viel Spaß macht das natürlich, wenn draußen Schnee liegt. Aber mir hilft es meistens schon meine Kamera mitzunehmen und draußen fotografieren zu gehen. Die Bewegung tut zusätzlich gut und meist fühlt man sich danach viel besser und vor allem wacher als vorher!

2) Sportliche Aktivitäten
Das Bewegung und Sport für ein besseres Wohlbefinden sorgen, sollte wohl kein Geheimnis mehr sein. Aber vor allem in der dunklen Jahreszeit kann ein wenig körperliche Betätigung Wunder wirken. Ob ihr nun Zuhause Yoga macht, im Fitnessstudio trainiert oder draußen joggen geht - Sport macht glücklich! Also rafft euch ein paar Mal pro Woche auf und tut eurem Körper und eurer Psyche etwas Gutes.

Sport gegen den Winterblues
 
3) Zeit mit Freunden verbringen
Vor allem im Winter, wenn man schlapp und antriebslos wird, sollte man sich regelmäßig dazu zwingen, trotzdem vor die Tür zu gehen. Und wie könnte man diese Zeit besser verbringen als mit Freunden. Gesellige Treffen im Café, gemeinsame Spaziergänge an der frischen Luft oder Kochabende hellen meine Stimmung auf jeden Fall immer auf.

4) Die Wohnungseinrichtung verändern
Unser Umfeld beeinflusst unsere Stimmung und vor allem unser Zuhause ist der Ort an dem wir uns abends und am Wochenende Ruhe gönnen können. Bereits mit kleinen Veränderungen kann man in seiner Wohnung positive Anreize schaffen, die sich positiv auf die Laune auswirken. Wer schreibt einem schließlich vor, dass die komplette Deko "Winter" schreien muss? Farbenfrohe Bettwäsche, bunte Deko und frische Blumen bringen etwas Sonnenschein in die grauen Tage. Und auch Duftkerzen oder -öle können unser Wohlbefinden steigern.

Duftkerzen gegen den Winterblues
 
5) Sich Entspannung gönnen
Wenn es draußen bereits dunkel wird, sollte man trotzdem versuchen, sich die Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten. Gönnt euch regelmäßig ein wenig Entspannung! Geht in die Sauna oder zur Massage oder nehmt Zuhause ein Bad. Vor allem wenn man völlig durchgefroren von draußen rein kommt, bringt das den Kreislauf schnell wieder in Schwung.

6) Künstliches Tageslicht tanken
Manchmal braucht man einfach Licht und da hilft es auch nicht, die Festtagsbeleuchtung in der Wohnung einzuschalten. In diesem Fall kann es helfen, sich mit künstlichem Tageslicht zu bestrahlen. Das kann man entweder beim Arzt mittels Lichttherapie tun oder indem man sich eine Tageslichtlampe zulegt. Der Besuch im Solarium bringt in diesem Fall nichts, da zum Stoppen der Melatoninausschüttung nur die optische Strahlung zählt, die wir über unsere Netzhaut aufnehmen. Gute Tageslichtlampen sollten eine Lichtstärke von etwa 10.000 Lux haben und man bekommt sie mittlerweile schon ab Preisen von etwa 50 Euro. Aufgrund der vielen dunklen Stunden in Stockholm, habe ich selbst das Experiment gewagt und mir eine solche Lampe zugelegt. Diese steht auf meinem Schreibtisch und mir tut es auf jeden Fall gut, sie einzuschalten während ich nebenher anderes erledige.

Tageslichtlampe gegen den Winterblues

7) Präperate gegen das Stimmungstief
Manchmal hilft alles nichts und es kann Sinn machen, sich durch entsprechende Präperate ein wenig Unterstützung zu holen. Gegen depressive Verstimmungen hilft zum Beispiel die Heilpflanze Johanniskraut, da sie sowohl die Stimmung aufhellt als auch die Lichtempfindlichkeit unserer Haut erhöht. Aber Vorsicht, trotz dass es sich um einen pflanzlichen Wirkstoff handelt, kann Johanniskraut die Wirkung anderer Medikamente einschränken, also vorher besser mit dem Arzt sprechen. Manchmal kann der Winter und das fehlende Licht auf unserer Haut auch zu einem Vitamin D-Mangel führen. Es kann also helfen, das beim Arzt überprüfen zu lassen, denn zu wenig Vitamin D kann ebenfalls für schlechte Stimmung sorgen. So ein Mangel lässt sich dann ganz leicht durch die Einnahme von Vitamin D-Tabletten wieder ausgleichen.

8) Zeit für sich selbst nehmen
Im Winter hat man oft weniger Lust vor die Tür zu gehen als im Sommer. Aber sich Zuhause etwas Ruhe zu gönnen und sich Zeit für sich selbst zu nehmen, muss nichts Schlechtes sein. Vor allem durch den täglichen Stress fühlen wir uns häufig erschöpft. Ich nehme mir deshalb bewusst Zeit für mich selbst, um meine Energiereserven wieder aufzufüllen. Erlaubt ist alles, was euch Spaß macht und wobei ihr entspannen könnt. Ich genieße besonders einen gemütlichen Abend auf dem Sofa oder im Bett mit einer Tasse Tee, einem guten Film oder einer Serie und - Schokolade. Okay, die ist in den meisten Fällen im Übermaß nicht gut für die Figur, aber siehe Punkt 2 ;)


Noch ein Hinweis zum Schluss, was ihr unbedingt vermeiden solltet, zu tun, da das die Symptomatik noch verstärkt. Kommt nicht aus eurer Routine heraus, ein strukturierter Alltag ist wichtig! Legt euch nicht tagsüber ins Bett auch wenn ihr müde seid, denn das bringt euch noch mehr aus dem Rhythmus. Und vor allem verzichtet auf den übermäßigen Verzehr von Alkohol. Der hebt zwar für den Moment die Stimmung, doch insgesamt geht es einem dadurch schlechter :)

Und was sind eure Tipps gegen den Winterblues?
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22. Dezember 2015

Zurück in meiner Komfortzone: Vier Monate Stockholm

Fast jeder hat sicherlich schonmal eine dieser Grafiken gesehen, die im Internet kursieren: "Life begins at the end of your comfort zone". Und da scheint etwas dran zu sein! Mittlerweile bin ich seit vier Monaten in Stockholm und habe mir dort mein Leben aufgebaut. Doch ich weiß noch ganz genau, wie schwer mir die Entscheidung gefallen ist, ob ich den Studienplatz in Stockholm annehmen soll oder nicht. Und fragt mich bitte erst gar nicht, wie ich mich am 23. August gefühlt habe als ich am Flughafen Köln/Bonn ins Flugzeug steigen sollte. Ich war so nervös, wie vermutlich noch nie in meinem Leben. Am liebsten hätte ich die ganze Aktion abgeblasen und wäre gemütlich zurück nach Hause gefahren! Zwei Jahre in einem anderen Land leben und studieren, in dem ich noch nie war und dessen Sprache ich nicht mal richtig spreche? Wann bin ich denn auf diese Schnapsidee gekommen?!

Wie ihr sehen könnt, habe ich es dann aber doch durchgezogen. Gut, die Schnapsidee hat sich im Nachhinein dann auch eher als riesige Chance und geniale Erfahrung herausgestellt. Aber den ersten Schritt erstmal zu tun, kostet einen manchmal große Überwindung. Und auch jetzt bekomme ich oft von anderen Dinge wie "Voll mutig von dir! Ich würde mich sowas niemals trauen." oder "Du machst mich richtig neidisch, ich wünschte ich könnte sowas auch machen!" zu hören. Wenn ich dann daran denke, wie ich vorher selbst an mir gezweifelt habe, macht es mich schon etwas stolz, was ich erreicht habe.


Vier Monate in Stockholm: Ein erstes Fazit

Ich bereue es nicht im Geringsten, nach Schweden gezogen zu sein. Mein Studiengang gefällt mir richtig gut, meine Kommilitonen sind cool, die Stadt ist super, meine WG ist wirklich schön und ich habe tolle Leute kennengelernt. Bereits jetzt habe ich so viel erreicht, erlebt und über mich selbst gelernt. Ich fühle mich mittlerweile in Stockholm Zuhause.

Doch so toll das jetzt alles klingt: Einfach war es nicht. Weder den ersten Schritt zu wagen und nach Stockholm zu ziehen, noch die Zeit der Einfindung. Ich fand mich plötzlich in einem völlig fremden Land wieder und auch wenn sich Deutschland und Schweden nicht dramatisch unterscheiden, so ist es doch eine unbekannte Stadt und eine fremde Kultur. Es braucht Zeit, bis man die Menschen versteht, man findet sich erst nach und nach in der Stadt zurecht und der Weg zur Uni wird langsam zur Routine. Man wird sozusagen ins kalte Wasser geschmissen (beziehungsweise beschließt, selbst hineinzuspringen), man lässt sein gewohntes Umfeld zurück. Plötzlich ist man ein Ausländer, fremd im Land und muss sich an die ganzen Veränderungen bestmöglich anpassen.

Um sich in einer neuen Umgebung sicher zu fühlen, braucht man ein schönes Zuhause. Und das, hatte ich leider nicht. Auf den ersten Blick hatte ich es eigentlich ganz gut getroffen: Zimmer direkt im Zentrum, super Lage, wunderschöner Altbau, guter Preis. Der Haken: Unverschämte, respektlose, unsensible, psychopathische, 59-jährige Esoterik-Mitbewohnerin, die zeitgleich die Vermieterin war. Lasst euch sagen, es ist kein schönes Gefühl mit jemanden zusammenzuwohnen, der permanent versucht, euch ein schlechtes Gefühl zu geben, um ohne Rücksicht auf Verluste, seine eigenen Ziele zu verfolgen. Jemanden, der euch als schlechte Person hinstellt oder euch die Schuld für Dinge in die Schuhe schieben möchte, von denen ihr nicht mal etwas wusstet. Falls ihr euch schonmal mit dem Thema Psychopathie beschäftigt habt, werdet ihr vielleicht wissen, dass Diskussionen das Problem nicht lösen. Für einige Tage oder Wochen mag das in Ordnung sein. Aber irgendwann kam der Punkt, wo es mir einfach zu viel wurde. Ich konnte nicht mehr richtig schlafen und hatte abends keine Lust mehr nach Hause zu gehen. Gleichzeitig der Stress an der Uni und mit meinem Nebenjob. Und dann kamen irgendwann der Winter und die Dunkelheit. Zum Glück habe ich nach drei Monaten Suche endlich ein Zimmer in einer richtigen WG mit netten, gleichaltrigen Mitbewohnern gefunden, wo ich mich Zuhause fühlen kann.

Doch die letzten vier Monate waren trotzdem extrem kräftezehrend. Seit Donnerstag bin ich zurück in Deutschland und bleibe hier bis das neue Semester im Januar anfängt. Ich bin zurück in meiner Komfortzone. Stockholm war absolut großartig und doch bin ich gerade so froh wie noch nie, wieder Zuhause zu sein. Die letzten Nächte waren die ersten, die ich seit Wochen wieder durchgeschlafen habe. Und ich genieße es einfach, dass ich weiß und verstehe, wie die Menschen um mich herum ticken. Dass es erst um 17 Uhr dunkel wird, statt um 15 Uhr. Dass ich allein in der Wohnung sein kann, ohne mir um psychopathische Hippie-Omas Gedanken zu machen. Ich kann endlich mal durchatmen und neue Energie tanken. Gerade liebe ich meine Komfortzone.


Was ist die "Komfortzone"? 

Unsere Komfortzone ist unsere Wohlfühlzone. Ein Ort oder der Teil von unserem Leben, in dem wir uns entspannt und sicher fühlen. Das heißt unser alltägliches Leben mit seinen vertrauten Gewohnheiten, Ritualen und Routinen. In unserer Komfortzone haben wir es bequem und wir arrangieren uns mit ihren Umständen (selbst, wenn wir vielleicht gar nicht damit glücklich sind).

Doch manchmal kommen wir an einen Punkt in unserem Leben an, wo wir vor einer Herausforderung stehen. Diese Grenze zu überschreiten, macht uns Angst, es lässt uns zweifeln und unsicher werden. Es kostet uns Überwindung und Anstrengung - es ist definitiv nicht mehr bequem. An diesem Punkt verlassen wir unsere Komfortzone und betreten die Lernzone. Gehen wir noch einen Schritt weiter und die Unbequemlichkeit wird unerträglich, haben wir bereits die Panikzone erreicht.

Aus Bequemlichkeit bleiben viele Menschen möglichst innerhalb ihrer Komfortzone. Die Angst vor dem Unbekannten ist tief in uns verwurzelt, doch unsere Komfortzone ist zur selben Zeit auch wie ein Käfig aus unseren Gewohnheiten, der uns in unserem Leben beschränkt. Doch das Überschreiten unserer Grenzen und das Verlassen unserer Komfortzone sollte ein Bestandteil unseres Lebens sein. Deine Komfortzone ist sozusagen dein Ausgangspunkt, dein sicherer Ort an dem du nicht bleiben solltest, sondern zu dem du immer wieder zurückkehren kannst - nach jedem anstrengenden Abenteuer, das du draußen in der Wildnis des Lebens erlebt hast. 

Warum sollte man seine Komfortzone verlassen?

Die Überwindung, seine Komfortzone zu verlassen, kann manchmal ganz schön groß sein. Doch so angsteinflößend diese Herausforderung zunächst erscheinen mag, umso schöner ist dafür das, was wir dafür bekommen:
  • persönliche Weiterentwicklung
  • Ängste überwinden lernen
  • Selbstverwirklichung 
  • neue Dinge lernen
  • sich selbst besser kennenlernen
  • seinen Horizont erweitern und Neues entdecken
  • stolz auf das sein, was man erreicht hat
  • Ziele erreichen und Träume verwirklichen
  • zufriedener mit sich sein
Wann sollte man in seine Komfortzone zurückkehren? 

Ich bin ganz ehrlich: Ich bin manchmal ein ganz schöner Angsthase. Und doch zwinge ich mich immer wieder dazu, meine Grenzen mal zu überschreiten. Weil ich weiß, dass es mir gut tut und ich an der Herausforderung wachse. Doch ebenso, sollte man einsehen, wann man beginnt, in die Panikzone überzutreten. Und das war bei mir während der letzten Wochen in Stockholm einfach der Fall. Zu viel Stress, zu viel Arbeit, zu viel Psychoterror, zu wenig Ruhe, zu wenig Licht und zu wenig Zeit für mich. Die Lernzone war voll ausgereizt, meine Energie aufgebraucht und ich war völlig überfordert. Manchmal wird es einfach Zeit, in die Komfortzone zurückzukehren, um sich wieder sicher zu fühlen und seine Batterien aufzuladen. Brecht aus eurer Komfortzone aus, aber Schritt für Schritt. Überfordert euch nicht, hört auf euren Körper! Und so geht es für mich dann im Januar hoffentlich auch wieder voller neuer Energie zurück nach Stockholm. Ich halte euch auf dem Laufenden :)
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10. Dezember 2015

Typisch Schwedisch: 5 Dinge, die meinen Alltag verändert haben

Lange habe ich nichts mehr von mir hören lassen. Aber ich wurde einfach von zu viel Swedishness überrumpelt! Der Umzug in ein neues Land bringt einfach immer so viele neue Erfahrungen und Herausforderungen mit sich, dass es erstmal dauert bis so langsam der Alltag wieder einkehrt. Jetzt lebe ich schon seit dreieinhalb Monaten hier und mir sind bereits die ersten Unterschiede zu Deutschland aufgefallen. Und da diese Zeit, in der man die Unterschiede erst noch entdeckt und deutlich wahrnimmt, eine der spannendsten ist, möchte ich euch natürlich daran teilhaben lassen. Es wird Zeit für eine Ladung Schweden!

Rotes Holzhaus in Schweden

1) Pünktlich sein
Man könnte meinen, dass die Schweden sich gar nicht so sehr von uns unterscheiden. Denn eine ihrer größten Tugenden ist definitiv die Pünktlichkeit. Doch während an meiner Uni in Deutschland die Kurse alle erst um 'viertel nach' angefangen haben und auch danach immernoch munter weitere Studenten im Vorlesungssaal aufschlugen, so weht an der Uni Stockholm ein anderer Wind. Mittlerweile überrascht es mich schon gar nicht mehr, wenn ich völlig abgehetzt um 09:57 ankomme und mein Kurs trotzdem schon angefangen hat - inklusive fast aller Teilnehmer. Für notorische Zuspätkommer wie mich ein absolutes Desaster! Immerhin ist es schon etwas peinlich, wenn man jedes Mal gefühlt als Letzter auftaucht (da alle anderen natürlich schon um 09:45 da waren) und die Vorlesung um 10:05 schon in vollem Gange ist. Als einzige Konsequenz, um den Ruf der Deutschen zu wahren, bleibt mir also nichts anderes übrig, als mich ein wenig früher auf den Weg zu machen. Für schwedische Verhältnisse bin ich wohl immernoch zu spät, aber zumindest weniger zu spät als sonst. Vielleicht färbt die Pünktlichkeit mit der Zeit ja noch auf mich ab...

2) Nach der Sommerfigur ist vor der Sommerfigur!
Wenn ich aus dem Fenster blicke, sehe ich sie jeden Tag vorbeilaufen, an der Kasse im Supermarkt stehen sie mit ihrem Fitnessdrink hinter mir an und in der U-Bahn schlängeln sie sich mit ihren Sporttaschen an mir vorbei: Jogger, Skater, Faharradfahrer oder was auch immer. Hauptsache Sport! Die Motivation in Person? - Die Schweden. Egal ob Regen, Kälte oder Dunkelheit, nichts scheint dieses Volk, von ihrer täglichen Portion Sport abzuhalten. Während ich es mir bei schlechtem Wetter drinnen mit einer Tasse Tee gemütlich mache oder sonntags in Ruhe zum Supermarkt spaziere, joggen übermotivierte Schweden in hautengen Leggings und bunten Laufschuhen an mir vorbei durch das nasse Laub. Selbst die Mittagspause ist den Schweden nicht heilig. Warum essen und entspannen, wenn man stattdessen das Fitnessstudio stürmen kann, um ein kurzes Power-Workout einzulegen? Die Motivation ist tatsächlich etwas ansteckend - auch wenn ich niemals meine Mittagspause opfern würde. Aber kann man es den Schweden verübeln, wenn es ohnehin ständig dunkel ist?

T-bana U-Bahn Station in Stockholm, Schweden

3) Ich kann dich nicht sehen, ich höre gerade Musik.
Vorsicht, Smartphone-Junkie im Anmarsch! Eine der liebsten Beschäftigungen der Schweden ist es, auf ihr Smartphone zu starren. Mach dich also darauf gefasst, ihnen auf der Straße auszuweichen, wenn sie dir ohne aufzuschauen, entgegenkommen. Und versuch gar nicht erst, in der U-Bahn mit irgendjemandem ein Gespräch anzufangen. Wenn die Schweden gerade nicht auf ihrem Smartphone herumtippen, hören sie entweder Musik über ihre großen, bunten Urbanears-Kopfhörer oder quasseln über ihr Headset irgendjemanden voll. Langsam mutiere ich selbst schon zu einem Kopfhörer-Smartphone-Zombie. Wie gut, dass ich (noch) kein Headset besitze.

4) Vill du fika?
Zeit für eine Kaffeepause! Und dabei trinke ich nicht mal Kaffee. Doch für Kaffeliebhaber ist Schweden ein wahres Paradies, denn hier ist die sogenannte "Fika" quasi ein Grundrecht. Die Vorlesung ist gerade mal eine halbe Stunde in Gange und unser Dozent fragt, wie es für uns läuft und ob wir bald eine Pause brauchen. Kurze Zeit später gibt es also eine 20-minütige Fika, in der die Schweden losstürmen, um sich Kaffee zu kaufen. Die Fika gehört hier zum Alltag genauso dazu, wie für uns die Mittagspause. Und sie ist viel mehr als eine reine Pause, denn wer nicht zusammen mit den anderen Unmengen Kaffe oder Tee in sich hineinkippt und dabei Zimtschnecken verdrückt, der wird schnell als "unsozial" abgestempelt. Aber ganz ehrlich: Gibt es einen besseren Weg, um seine Kommilitonen oder Arbeitskollegen kennenzulernen als bei einer kleinen Kaffepause?

Skogskyrkogården bei Sonnenuntergang

5) Du-weißt-schon-was... ähh Winter.
Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, wie lange die vierte Jahreszeit noch anhält. Ein Blick aus dem Fenster, offenbart einen tristen, weißen Himmel und ab 15 Uhr wird es auch schon wieder dunkel. Die Straßen sind bedeckt mit matschigem Laub oder Schnee, ein eisiger Wind pfeift durch die Straßen. Der Winter scheint das Gesprächsthema Nr. 1 zu sein, Klagen über den fehlenden Sonnenschein und die Müdigkeit stimmen einen bereits auf die schlimmste Winterdepression seines Lebens ein. Der Markt für Vitamin D-Tabletten, Tageslichtlampen, wollene Unterwäsche und Fitnessstudio-Mitgliedschaften boomt und am liebsten möchte man sich einfach bis März in seinem Bett verkriechen und den ganzen Abend lang Tee trinken und Serien schauen. Also nehmt euch in Acht, winter is coming...
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