17. Dezember 2012

Studentenleben an der Universität Island

Während meines Auslandessemesters in Island habe ich natürlich auch studiert - und zwar an der Háskóli Íslands (Universität Island). Ein Semester lang habe ich mich gefühlt wie eine echte isländische Studentin und während dieser Zeit sind mir einige Unterschiede zum Studentenleben in Deutschland aufgefallen.


Hier sind meine Highlights:

- Fast alle Dozenten machen während ihrer Vorlesung eine Pause, damit sich alle am Kiosk Kaffee, Kakao oder etwas zu Essen holen können.

- Die Studenten kommen und gehen, wann sie wollen. Das heißt im Klartext: Natürlich kommen sie zu spät! Ja, ich weiß in Deutschland auch, aber hier interessiert das wirklich niemanden. Und wenn es den Studenten zu langweilig wird, gehen sie einfach nach 10 Minuten wieder.

- Es ist immer total ruhig. An meiner Uni Zuhause reden während der Vorlesung immer irgendwelche Leute und wenn es eine Pause gibt, wird es natürlich total laut, weil sich alle unterhalten. Das ist hier nicht der Fall. Am Anfang dachte ich, es läge daran, dass der Dozent vielleicht so streng wäre - aber nein! Die Isländer scheinen einfach sehr diszipliniert und respektvoll zu sein. Hier redet wirklich niemand, während der Vorlesung ist es vollkommen still und wenn ich mal kurz in meiner Tasche herumraschele, habe ich das Gefühl, dass mich jeder anstarrt. Sogar während der Pausen ist es total ruhig, nur hier und da ein Flüstern, aber das war es dann auch...

- Sehr verantwortungsbewusste Studenten. Wenn bei mir Zuhause ein Dozent mehr als 10 Minuten Verspätung hat, gehen einfach alle wieder nach Hause. Hier kommen sogar alle, selbst wenn der Dozent vorher gesagt hat, dass wir nur eine Gruppenarbeit machen müssen und er gar nicht kommen wird. Und sogar, als wir unsere Aufgabe aus technischen Gründen nicht einsehen konnten und demnach einfach nur herumsaßen, sind alle geblieben. Ganz schön verantwortungsbewusst, die Isländer...

- Mein absoluter Favorit: Der Großteil meiner Kurse fand nicht im Hauptgebäude statt, sondern in einem KINOSAAL! Die Uni hat nämlich ihr eigenes Kino (wie cool ist das bitte?). Da die meisten meiner Kurse Filmkurse waren, fanden die Veranstaltungen in den Kinosälen des Unikinos statt. Total genial es sich in einem Kinosessel bequem zu machen und dabei die Präsentation des Dozenten oder einen Film auf der Leinwand zu schauen :) Vor allem die Kinosessel werde ich sicherlich vermissen wenn ich wieder Zuhause bin!


Reykjavík
Sunrise: 11:19, Sunset: 15:29, Length of day:
4h 09m 18s
Berlin
Sunrise: 08:13, Sunset: 15:53, Length of day:
7h 39m 59s
» Weiterlesen

14. Dezember 2012

Du weißt, dass du in Island bist, wenn...

Wenn man tatsächlich für einige Zeit in einem Land lebt, bekommt man viel von der Kultur mit, was man als Tourist niemals entdecken könnte. Denn was ist eigentlich typisch Isländisch? Und welche Kuriositäten widerfahren einem im Alltag, wenn man hier lebt? Ich habe für euch diesmal einige Fakten zusammengetragen, die einem schnell bewusst werden, wenn man in Island lebt.


Du weißt, dass du in Island bist, wenn... 
  • ein warmer Tag bedeutet, dass du nur ein Fleece oder ein Sweatshirt trägst.
  • du das Fenster öffnest wenn es zu warm im Zimmer ist, statt die Heizung runter zu drehen.
  • dir nach Schwefel riechendes Wasser ganz normal erscheint.
  • sich das Wetter trotz 0°C toll anfühlt, nur weil es windstill ist.
  • du nicht das Bedürfnis verspürst, die Blinker an deinem Auto zu reparieren.
  • du wahnsinnige Preise für Hühnerbrust und Käse bezahlst.
  • du dein Baby draußen im Kinderwagen schlafen lässt.
  • du Zeuge davon wirst, dass ein Auto mitten auf der Straße "geparkt" wurde.
  • jeder in der Familie einen anderen Nachnamen hat.
  • du aufhörst Taschentücher zu benutzen.
  • du beim Reden einatmest.
  • du nicht überrascht bist wenn du fast von jemandem überfahren wirst, der auf dem Bürgersteig parkt während er telefoniert.
  • es fast immer unmöglich ist, einen Regenschirm zu benutzen, wenn es regnet.
  • es nichts Besonderes ist, übergroße Reifen an seinem Auto zu haben.
  • Reykjavík eine große Stadt ist.
  • niemand sein Auto abschließt.
  • du den ungewollten Drang verspürst "Wie gefällt dir Island?" zu fragen, wenn du einen Ausländer zum ersten Mal triffst.
  • du zum Bezahlen aller Einkäufe eine Kreditkarte benutzt, insbesondere für Beträge unter 100 Kronen.
  • du im letzten Jahr mindestens fünf Mal von der Polizei dabei erwischt wurdest, wie du zu schnell gefahren bist. Und du 25% Rabatt bekommst, wenn du an Ort und Stelle sofort mit Kreditkarte bezahlst.
  • du denkst, dass jede mehr als 15cm große Pflanze ein "Baum" ist und fünf zusammen einen "Wald" bilden.
  • die Telefonbücher nach dem Vornamen geordnet sind.
  • es einfach in jeder Situation möglich ist "HA?" zu sagen.
  • du stolz darauf bist, an der Spitze der Statistiken für Lebenserwartung, Lebensqualität und das niedrigste Alter, um deine Jungfräulichkeit zu verlieren, stehst.
» Weiterlesen

13. Dezember 2012

Reykjavík: Stadt der Katzen

Man sieht sie hier einfach ständig und überall: Katzen! Vermutlich weil Reykjavík für Katzen eine sicherere Stadt ist, als so manche andere. Hunde sieht man hier im Vergleich relativ selten. Wenn man unterwegs ist, läuft einem jedenfalls fast immer irgendwo eine Katze über den Weg. Außerdem sind die meisten Katzen hier auch sehr zutraulich und freundlich und lassen sich gerne streicheln. Ich liebe Katzen und finde es deshalb immer wieder toll wenn so ein Fellknäuel zu mir herüber gelaufen kommt, um sich kraulen zu lassen :)


Reykjavík
Sunrise: 11:14, Sunset: 15:30, Length of day:
4h 16m 10s
Berlin
Sunrise: 08:09, Sunset: 15:52, Length of day:
7h 42m 42s
» Weiterlesen

11. Dezember 2012

Reykjavíks Kulturszene

Ich liebe Reykjavík! Trotz, dass es nicht besonders groß ist (ca. 120.000 Einwohner), hat die Stadt viel zu bieten. In Reykjavík ist immer etwas los, sodass es nie langweilig wird. Immer wieder hört man irgendwo Livemusik, es gibt massig Konzerte aller möglichen isländischen Bands, sodass für jeden Geschmack etwas dabei ist, und es finden ständig irgendwelche Festivals statt. Neben bekannten Festivals, wie dem Iceland Airwaves und dem Reykjavík International Film Festival, finden zudem auch so einige mehr oder wenige verrückte Veranstaltungen statt, wie die Couch Fest Filme oder das Bacon Festival (bei dem Ich mir unter anderem eine Vorlesung zum Thema „A Quest to find your favourite bacon“ anhören konnte).


Neben dem vielfältigen kulturellen Angebot überzeugen Reykjavíks Straßen aber vor allem auch durch die vielen gemütlichen Cafés, coolen Bars und die zahlreichen kleinen Geschäfte mit süßen und ausgefallenen Gegenständen und Klamotten. Zwar schließen die meisten Läden schon um 18 Uhr, jedoch haben die Buchläden und die Süßigkeitengeschäfte, wie die "Nammibarinn", bis 22 Uhr auf. Meiner Meinung nach ziemlich gut gesetzte Prioritäten! Hinzu kommt, dass Isländer wohl eher Langschläfer sind, jedenfalls macht auch der Supermarkt morgens erst um 10 Uhr auf (dafür hat er auch sonntags geöffnet). Und eins muss man den Isländern auch lassen: Fortschrittlich sind sie alle mal! Hier gibt es praktisch überall WLAN und das nicht nur in Cafés und Restaurants, sondern auch im Bus.


Reykjavík
Sunrise: 11:11, Sunset: 15:32, Length of day:
4h 21m 12s
Berlin
Sunrise: 08:07, Sunset: 15:52, Length of day:
7h 44m 44s
» Weiterlesen

9. Dezember 2012

Isländisches Wetter: Reykjavík steht unter Wasser

Ich öffne morgens die Vorhänge und... es regnet. Graue Wolken verhängen den Himmel, Regen prasselt gegen das Fenster und riesige Pfützen bilden sich auf Gehwegen und Straßen. Oh ja, Regen ist ja auch in Deutschland keine Seltenheit, allerdings sind die Isländer in ihrer Straßenplanung wohl nicht so wirklich darauf eingegangen. Ich muss zugeben: Ich hasse Regen. Wenn man drinnen im Trockenen sitzt und ein paar Kerzen anzündet, lässt es sich ja eigentlich ertragen, aber vor allem jetzt im Dezember, wo wir hier in Island eh nur vier Stunden Licht am Tag haben, nervt so schlechtes Wetter ziemlich. Dann wird es gefühlt nämlich gar nicht mehr richtig hell.

Wie dem auch sei, zum Glück regnet es in Reykjavík gar nicht so oft, wie ich es vorher erwartet hätte. Doch sobald es mal richtig anfängt zu regnen, stehen sofort Gehwege und Straßen unter Wasser! Die Isländer sollten doch eigentlich wissen, dass es hier auch viel regnen kann und ich frage mich, warum man es nicht schafft, Straßen und Gehwege richtig zu planen. Das ist kein Witz: Wenn ich auf dem Weg zur Uni war, musste ich beim Überqueren der Straße schon öfters von der einen "trockenen" Stelle zur anderen hüpfen, um dazwischen nicht in einem Ozean zu versinken. Dasselbe gilt für einige Gehwege oder Einkaufsstraßen. An einem Tag hat es sogar so sehr geregnet, dass der Kreisverkehr, den ich von meinem Fenster aus sehen kann, schon total abgesoffen ist und die Autos durch einen kleinen Teich gefahren sind. Aber etwas Gutes kann ich dem Ganzen zumindest abgewinnen: Wenn es hier regnet dann zumindest nie für eine ganze Woche am Stück (so wie in Deutschland...), sondern meistens nur ein bis zwei Tage!


Reykjavík
Sunrise: 11:07, Sunset: 15:34, Length of day:
4h 27m 12s
Berlin
Sunrise: 08:05, Sunset: 15:52, Length of day:
7h 47m 11s
» Weiterlesen

8. Dezember 2012

Collar Love

Dieses Kleid ist momentan eins meiner Lieblingskleider. Ich finde es einfach rundum gelungen: Es hat diesen wunderschönen dunkelblauen Farbton, einen verspielten Kragen (ich liebe Kragen!) und süße, etwas edel anmutende Knöpfe. Letztens hatte ich doch glatt einen der Knöpfe verloren und mich schon total geärgert, aber zum Glück habe ich ihn an der Uni wiedergefunden. Am liebsten trage ich zu dem Kleid meinen beerenfarbigen Cardigan :)

Dress: Shikha London, Cardigan: Vero Moda

Reykjavík
Sunrise: 11:02, Sunset: 15:36, Length of day: 4h 34m 07s

Berlin
Sunrise: 08:03, Sunset: 15:53, Length of day: 7h 50m 02s
» Weiterlesen

5. Dezember 2012

Die Wahrheit über Isländer (Teil 2)

Isländisch ist eine verdammt schwere Sprache, deshalb kann eigentlich auch jeder Isländer Englisch sprechen. Zum einen sind Isländer sehr erfreut und hilfsbereicht wenn sie merken, dass man versucht Isländisch zu lernen, doch viel häufiger ist es leider der Fall, dass sie sofort Englisch mit einem sprechen - egal, ob man Isländisch mit ihnen gesprochen hat oder nicht. Das andere Extrem ist mir allerdings auch schon passiert: Nachdem ich Leuten auf Isländisch erklärt hatte, dass ich noch kein Isländisch spreche, haben sie mich erstmal auf Isländisch voll gelabert.
Die eher nervigen Seiten: Männliche Isländer können ziemlich aufdringlich und hartnäckig sein wenn sie versuchen Frauen kennenzulernen. Wundere dich nicht wenn du das Angebot eines Mannes, dir ein Bier zu kaufen, abgelehnt hast (falls du Ja sagst, verstehen sie das sowieso etwas anders...) und danach trotzdem noch fünf Mal gefragt wirst.

Auch schön: Ich erschrecke mich, weil plötzlich jemand neben mir extrem laut die Nase hochzieht. Am Anfang dachte ich es wäre Zufall, denn Leute, die keine Taschentücher benutzen, gibt es ja in Deutschland auch. Aber nein, hier scheint es wohl gesellschaftliche akzeptiert zu sein, die Nase hochzuziehen. Denn niemanden scheint es zu stören, aber ich würde den meisten am liebsten immer noch  ein Taschentuch anbieten ;)


Auch halten die meisten Isländer wohl nicht viel vom Umweltschutz oder Geschwindigkeitsbegrenzungen. Hier lässt einfach jeder sein Auto oder den Bus laufen, selbst wenn er 30 Minuten irgendwo herumsteht ohne wegzufahren. Auf meine Frage hin, warum er das tun würde, antwortete einer meiner Freunde nur: "Da habe ich noch nie drüber nachgedacht".
Und mit dem Bus außerhalb Reykjavíks unterwegs zu sein, ist auch ein Abenteuer für sich. Egal ob Kurven, steile Abhänge am Straßenrand, oder uneinsehbare Straßen auf der anderen Seite eines Hügels, die Busfahrer brettern gerne viel zu schnell durch die Gegend (und das gerne auch in der Mitte der Straße), telefonieren dabei und sehen es nicht mal ein zu bremsen wenn mal wieder ein Schaf auf der Straße herumsteht. Stattdessen wird dann einfach so lange gehupt bis sich das Schaf im letzten Moment endlich von der Straße bequemt.

Zu guter Letzt: Nein, die meisten Isländer glauben nicht an Elfen und Geister, nicht jeder spielt in einer Band und sie sind keine Wikinger, aber ja, sie essen Wal und fermentierten Hai. Manchmal zumindest.


Reykjavík
Sunrise: 10:57, Sunset: 15:39, Length of day: 4h 41m 51s

Berlin
Sunrise: 08:00, Sunset: 15:54, Length of day: 7h 53m 18s
» Weiterlesen

4. Dezember 2012

Die Wahrheit über Isländer (Teil 1)

Sie leben einsam in einem Land voller Eis und Vulkane, sie glauben an Geister und Elfen, sie sind Künstler, essen Wale und fermentierten Hai, sie sind Wikinger! Dieses Bild zumindest wird einem außerhalb Islands von dessen Einwohnern vermittelt. Bloß (traurig, aber wahr) entspricht dieses Bild eher nicht der Wahrheit. Zwar mag jedes Vorurteil auch einen wahren Kern haben, dennoch erwartet man nach solch einer Beschreibung, dass die Isländer ein vollkommen mystisches Volk wären. Zugegebenermaßen kann ich hauptsächlich nur über die Menschen in Reykjavík sprechen. Aber nun also zur Wahrheit über die Isländer!


Während meiner ersten Tage in Reykjavík fiel mir zugleich auf, wie gelassen, entspannt und freundlich die meisten Isländer sind. Als ich in einem Buchladen etwas nachfragen wollte, räumte der Typ erstmal seine alte Limodose von der Theke. Im Burgerladen danach wurden wir zunächst bedient, doch da wir gerade die einzigen Gäste waren, machten es sich die Angestellten erstmal selbst in einer Sitzecke bequem. Draußen auf der Straße sieht man außerdem immer mal wieder Leute, die Musik spielen und singen sich so die Zeit vertreiben.

Die Mentalität der Isländer lässt sich natürlich nicht verallgemeinern, allerdings ist mir aufgefallen, dass es  häufig auch den  wortkargen, verschlossenen Typ Isländer gibt. Man spricht jemanden an und bekommt eine eher mürrische, knappe Antwort - wenn überhaupt. Einmal kam ich in ein Café und fragte einen Mann, ob der Stuhl noch frei sei; er nickte bloß. An der Uni mussten wir außerdem mal in einer Gruppenarbeit etwas vorbereiten. Da die Gruppen wild zusammen gewürfelt waren und wir uns alle nicht kannten, schwiegen sich alle an. Ich versuchte also etwas Smalltalk zu betreiben - aber bekam auf jede Frage als Antwort jeweils nur ein "Ja" oder "Nein". Und das Beste: Während wir in Island unterwegs waren, hatten wir uns verfahren und fragten in einem Geschäft in einem abgelegenen Ort nach dem richtigen Weg. Der Mann erklärte uns daraufhin völlig ruhig und ohne jegliche Gefühlsregung, dass wir bereits 50km zu weit gefahren wären und den ganzen Weg wieder zurück müssten. Es war wirklich zum Lachen, wie wir uns ärgerten, dass wir eine halbe Stunde zu weit gefahren waren und der Mann nicht die geringste Reaktion zeigte.


Wohl eine meiner Lieblingseigenschaften der Isländer ist ihre Unorganisiertheit. Sie vergessen z.B. einfach sich rechtzeitig ein Festival-Ticket zu kaufen bis es ausverkauft ist, kommen ständig zu spät - egal ob zur Vorlesung an der Uni, zum Kinofilm oder Konzert (der Großteil der Leute kommt ohne Witz ca. 5 Minuten vor Beginn oder nachdem es schon angefangen hat) oder beim Einkaufen (der Supermarkt ist ca. 15-30 Minuten vor Geschäftsschluss am vollsten) - und sie können echt total verplant sein, sodass man Dingen oft hinterher rennen muss.


Reykjavík
Sunrise: 10:55, Sunset: 15:41, Length of day:
4h 46m 00s
Berlin
Sunrise: 07:59, Sunset: 15:54, Length of day: 7h 55m 05s
» Weiterlesen